Main-Echo
Als Beispiel für eine Wende in der Energiepolitik nannte Dr. Hermann Scherer, Präsident der gemeinnützigen Europäischen Sonnenenergievereinigung Eurosolar, den Solarpark, der am Freitag bei Arnstein seiner Bestimmung übergeben wurde. Vor Ort diskutierten Politiker und Fachleute an der Anlage angesichts steigender Energiepreise über die Chancen erneuerbarer Energien.
»Wir haben keine andere Wahl«, sagte Scheer in seinem Referat, »als so schnell wie möglich einen Energiewechsel herbeizuführen.« Angesichts der festgelegten Laufzeiten für deutsche Kernkraftwerke sprach er von einem »Wettlauf mit der Zeit für die Nutzung atomarer Energie«. Wenn jetzt nicht bald gehandelt und auf erneuerbare Energien gesetzt werde, stehe der Menschheit ein »Jahrhundertversäumnis« ins Haus.
Ein Vorgeschmack
Als einen Vorgeschmack bezeichnete Scheer die letzten heißen Sommertage, als Atomkraftwerke ihre Leistung herunterfahren mussten, weil Kühlwasser nicht im ausreichenden Maße zur Verfügung stand. Im Gegenzug sei der Stromverbrauch an heißen Tagen wegen der Klimageräte gestiegen. Gerade an solchen Tagen könnten Solaranlagen den benötigten Strom in ausreichender Menge liefern.
Um den Energiebedarf in Deutschland zu decken, würde eine Gesamtfläche von 6000 Quadratkilometern Photovoltaikpaneele ausreichen. Das wären weniger als zehn Prozent der überbauten Flächen. Statt dessen »laufen wir in eine Energiefalle«, meinte der SPD-Bundestagsabgeordnete, und betonte, dass Deutschland zu 75 Prozent abhängig ist von Energie aus dem Ausland. Scheer sieht darin ein kaum kalkulierbares Überlebens- und Sicherheitsrisiko und sprach sich für mehr Energieautonomie aus.
Eine Gnadenfrist
»Wir haben keine Zeit, höchstens noch eine Gnadenfrist«, stellte der Journalist und ehemalige Report-Moderator Franz Alt als Leiter einer Diskussionsrunde heraus. »Die neusten Klimazahlen sind erschreckend«, sagte Alt und sprach von einer globalen Erwärmung um acht Grad Celsius in den nächsten Jahren, »wenn wir so weiter machen«.
Als »einen Schritt in die richtige Richtung« bezeichnete die CSU-Europaabgeordnete Anja Weisgerber das Umdenken hin zu mehr erneuerbaren Energien. Jedoch favorisierte sie einen »Energiemix« aus bisherigen, CO2-neutralen und erneuerbaren Energien. Weiter sprach sie sich für eine stärkere Verknüpfung von Wirtschafts- und Umweltpolitik aus, wie sie auch von der EU gefördert werde. Um von ausländischen Lieferanten unabhängig zu sein, bedürfe es eines starken Energiemanagements. »Am besten ist noch die Energie, die nicht verbraucht wird«, forderte die Europaabgeordnete einen gewissenhafteren Umgang mit der Energie.
Statt für eine Verlängerung der Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke sprach sich der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell für eine weitere Verkürzung aus. Dafür sollten mehr bereits überbaute Flächen für die Gewinnung von Solarstrom genutzt werden. Der landläufigen Meinung, dass Solarstrom in der Herstellung teurer ist, trat der »Pionier in Sachen Solarstrom« entschieden entgegen. Als Beispiel nannte er die Börse in Leipzig, an der in diesem Sommer Solarstrom preiswerter gehandelt worden sei als Atomstrom.
Die Rolle der Ölmultis bei der Umsetzung erneuerbarer Energien kritisierte noch einmal Hermann Scheer. Diese verschleppten die Einführung aus betriebswirtschaftlichen Gründen, »weil sie ihre Investitionen noch lange nicht abgeschrieben haben«. Jetzt müssten die Speichermöglichkeiten erneuerbarer Energie forciert werden, um sich weitere Vorteile zu schaffen. »Die Technologie dafür ist bereits vorhanden«, betonte Hans-Josef Fell.
Ein Exportmarkt
Daraus könnte sich auch ein neuer Exportmarkt ergeben, betonte Alexander Voigt vom Vorstand der Solon AG, da beispielsweise Solarstrom auch in den sonnenreichen Ländern Afrikas gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden könne. Derzeit sind Photovoltaikanlagen zu sehr an Stromnetze zum »sofortigen Verbrauch« gebunden. »Die Sonne hat keinen Blackout wie Atomkraftwerke«, sah Moderator Franz Alt abschließend die Verbreitung von Anlagen, wie die in Gut Erlasee, weiter auf dem Vormarsch.