Main Post, 15. April 2011
Ja, man wolle die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen. In der Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes der Frauenunion hat sich Bezirksvorsitzende Anja Weisgerber (MdEP) klar positioniert. Als Umweltpolitikerin sei für sie Atomstrom schon immer eine Übergangsenergie gewesen. Es sei richtig, keine neuen Kernkraftwerke zu wollen und den Ausstieg zu planen. Die Frage sei nur: wann.
„Wir brauchen europaweite Sicherheitsstandards“, mahnte sie und fand, Übungen amerikanischer Kampfjets in AKW-Nähe „müssen nicht sein“. Gemeinsam mit Staatssekretär Gerhard Eck und Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos wird sich Weisgerber an den zuständigen Verkehrsminister wenden, mit der Bitte die Flugabstände zu vergrößern. Notfalls könne man auch auf diplomatischem Weg mit den Amerikanern Kontakt aufnehmen, meinte Weisgerber.
Die Europaabgeordnete hatte gute Zukunftsaussichten für Frauen im Gepäck. So stehe die Eröffnung einer Beratungsstelle Frau und Beruf in Schweinfurt kurz bevor. Hierfür galt ihr besonderer Dank der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Ute Suckfüll. Auch das erfolgreiche Mentoring für angehende Politikerinnen gehe in eine zweite Runde und solle ausgebaut werden. Die CSU hat 2011 zum Jahr der Frau ausgerufen, unter dem Motto „Ladies first“ startet eine breitangelegte Mitglieder-Werbekampagne, die mehr Frauen für die Partei begeistern soll. Preisverleihungen, After-Work-Partys und Postkartenaktionen wurden dazu initiiert. Parteiinterne Ämter sollen zukünftig mit 40 Prozent Frauen besetzt werden. In Schweinfurt wird es am 28. Mai erstmals ein Familienfest auf dem Schillerplatz geben.
Mit Neuem gegensteuern
Der Kreisvorsitzenden Martina Gießübel liegt vor allem die Werbung junger Frauen am Herzen. In ihrem Rechenschaftsbericht wies sie auf die schwierige Altersstruktur des Kreisverbandes der Frauenunion hin: Über 65 Prozent der Mitglieder sind älter als 60 Jahre. Um dieser Überalterung entgegenzuwirken, dachte sich der Vorstand neue Veranstaltungsformen aus und war erfolgreich, 22 Neuzugängen stehen elf ausgeschiedene Mitglieder gegenüber.
„Ein Mix aus Bewährtem und Neuem ist ein absolutes Muss, um Frauen für die Politik zu interessieren“, stellte Gießübel fest. Fachvorträge mit Referenten seien antiquiert, meinte die Kreisvorsitzende, politische Informationen hätten in gemütlicher Runde mehr Chancen auf Beachtung. Ein Rückblick auf die Veranstaltungen der vergangenen zwei Jahre bestätigte dies.
Gießübel schaute auch durchaus kritisch auf den politischen Alltag. „Bis zu einem bestimmten Level werden Frauen von der Männerwelt grundsätzlich unterstützt. Geht es dann aber um Posten und Mandate, werden diese unter Männern ausgemacht. So schnell können die Frauen gar nicht schauen“, stellte sie fest. Trotzdem komme man im Kreisverband der CSU dem auf dem Parteitag beschlossenen Frauenanteil von 40 Prozent schon sehr nahe, freute sich die Vorsitzende, schließlich habe man bereits 33,3 Prozent erreicht. Dies sei nicht zuletzt dem engagierten Auftreten ihrer Vorgängerin Lieselotte Feller zu verdanken. In Grafenrheinfeld liege der Frauenanteil bereits bei den viel beschworenen 40 Prozent, betonte Walter Weinig, der im Namen des Kreisverbandes der CSU ein Grußwort sprach.
Bei den Wahlen wurde das Team um Martina Gießübel mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt. Um auch hier den „Mix von Bewährtem und Neuem“ zu ermöglichen, wurden die Posten der stellvertretenden Vorsitzenden um eine Vertreterin erweitert; neben Edeltraud Baumgartl und Annemarie Lutz gehört jetzt auch Annemarie Schuler dazu. Wiltrud Müller bleibt Schriftführerin, Barbara Wiederer verwaltet weiter die Kasse. Auch bei den Posten der Beisitzerinnen und der Delegierten für den Bezirksverband wurde darauf geachtet, neue, junge Kräfte mit ins Team zu nehmen.