www.swex.de, 2. Juli 2010
Unter dem Titel „Nachhaltig leben, arbeiten, gestalten“ laden die Landesvorsitzende der Frauen-Union, Angelika Niebler, MdEP und die Bezirksvorsitzende der Frauen-Union Unterfranken, Anja Weisgerber, am 10. Juli zur Landesversammlung der Frauen-Union in Schweinfurt ein. Hauptredner werden sein: Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, und Manfred Weber (MdEP), Vorsitzender der CSU-Zukunftskommission.
Nachhaltigkeit bedeute, gesamtgesellschaftliche Veränderungen zu erkennen und darauf zu reagieren. Der demographische Wandel, neu entstandene Familienmodelle und veränderte Lebenskonzepte müssten in der Berufswelt, im Alltag und in der Politik Berücksichtigung finden. Dafür will sich die Frauen-Union Bayern einsetzen. Auf der Landesversammlung werden ein Leitantrag und viele Einzelanträge zu den verschiedensten Themen der Umwelt-, Verbraucherschutz- und Familienpolitik diskutiert.
Das Rahmenprogramm zur Landesversammlung gestaltet der Bezirksverband der Frauen-Union Unterfranken. Neben einer Messe mit regionalen Produkten und Existenzgründerinnen erwartet die Damen ein Transferservice mit umweltfreundlichen "Ecomotive-Fahrzeugen" der Firma Schuler und Eisner zwischen dem Bahnhof und dem Tagungsort sowie eine umfangreiche Kinderbetreuung.
Der Bezirksverband der Frauen-Union Unterfranken bringt sich mit vier eigenen Anträgen auch inhaltlich in die Debatte ein. Die unterfränkischen Frauen beantragen zum einen die Haushaltssperre für die Förderung der Photovoltaikanlagen auf Dachflächen, Biomasseheizungen und Wärmepumpen aufzuheben. Weiterhin fordert der Bezirksverband eine bessere Kennzeichnung von Lebensmittelimitaten, denn Verbraucher würden durch Imitate in die Irre geführt und bewusst getäuscht. Die Bemühungen der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, eine bessere Kennzeichnung auf europäischer Ebene einzuführen, sollten von den Bundestagsabgeordneten unterstützt und von Seiten der Bundesregierung mit Nachdruck weiterverfolgt werden.
Des Weiteren beantragt die FU Unterfranken eine Reform des Unterhaltsrechts. Nach dem aktuell gültigen Recht ist einer geschiedenen Mutter eine Beschäftigung zuzumuten, sobald ihr Kind das dritte Lebensjahr erreicht hat. Das sei den Frauen aber nicht zuzumuten. Außerdem wurde das Alter der Kinder, in dem eine alleinerziehende Mutter wieder ganztags arbeiten muss, auf 13 Jahre heruntergesetzt. Hier fordern die unterfränkischen CSU-Frauen, dass eine ganztägige Arbeit einer Mutter, die Kinder betreut – wie vor der letzten Reform – erst ab Vollendung des 15. Lebensjahres des jüngsten Kindes verlangt werden kann.
In einem weiteren Antrag macht sich die FU Unterfranken stark für eine flächendeckende Ausweitung des Einsatzes von Förderlehrern an bayerischen Volksschulen. Besonders der letzte Antrag wurde auf Initiative der Kreisvorsitzenden der FU Schweinfurt-Land, Martina Gießübel, sowie seiner Aktualität intensiv im Kreise des FU-Bezirksvorstandes diskutiert.
Die in der letzen Woche veröffentlichte nationale Bildungsstudie für Deutsch und Fremdsprachen habe ein bekanntes Bild aufgezeigt. Die bayerischen Schüler belegten wie schon bei vergangenen Vergleichen den ersten Platz. Trotz des erneut guten Abschneidens zeige die Studie jedoch auch einen negativen Aspekt der bayerischen Bildungslandschaft auf. Immer noch sei der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungsabschluss in Bayern sehr eng. „Dieses soziale Bildungsgefälle in Bayern müssen wir abbauen. Die gezielte Förderung von Kindern aus sozial schwachen Schichten spielt dabei eine große Rolle. Das ist eine der zentralen demokratischen Aufgaben, die über die Zukunftsfähigkeit unseres Landes entscheiden wird! Daher soll jede einzelne Grund-, Haupt- und Mittelschule vor Ort einen eigenen Förderlehrer bekommen, der ausschließlich fachspezifisch eingesetzt wird“, so die Bezirksvorsitzende der Frauen-Union Unterfranken, Dr. Anja Weisgerber, MdEP.
Insgesamt sei der Förderbedarf an den Volksschulen in den letzten Jahren stark angestiegen, was auch durch verschiedene Aspekte bedingt sei. So nehme der Anteil an Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf sowie an Schülern mit Migrationshintergrund zu und die Familiensituation in der Gesellschaft sowie die Kindheit veränderten sich. Auf der anderen Seite könnten aber auch hochbegabte von einer gezielten Förderung profitieren.
Als einziges Bundesland verfüge Bayern mit dem Förderlehrer über ein spezifisches Werkzeug, diesem Bedarf zielgerichtet und professionell zu begegnen. Seit 1970 gebe es an bayerischen Schulen das Berufsfeld des Förderlehrers. Damals eingeführt als „Pädagogischer Assistent“, habe er heute als Fachmann für ADS/ADHS, LRS – Legasthenie, Dyskalkulie, für Differenzierung und Individualisierung sowie für die Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund eine zentrale Aufgabe an seiner Schule.
„Tatsächlich aber verfügt nur ein Bruchteil der Volksschulen über einen eigenen Förderlehrer, der vor Ort die konkreten Bedürfnisse der Schüler sinnvoll erfassen und in Kooperation mit Eltern und den anderen Lehrkräften angehen kann. Daher braucht jede einzelne Schule einen Förderlehrer. In der Praxis lässt sich zudem immer häufiger feststellen, dass die vorhandenen wenigen Förderlehrer Vertretungsstunden für Klassenlehrer übernehmen müssen und so nicht ihrer eigentlichen Arbeit nachkommen können“, so Martina Gießübel. „Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, haben wir uns im Bezirksvorstand entschieden, zu diesem Thema einen Antrag an die FU-Landesversammlung zu stellen.