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Frauen brauchen keine Manns-Vor-Bilder

InFranken, 28. Januar 2011

Gleichstellung Die Europaabgeordnete Anja Weisgerber ermunterte die Frauen bei einem Gespräch in Fabrikschleichach, ihre eigenen Stärken zu betonen, statt zu versuchen, die Männer zu kopieren.

"Die Idee ist toll und das Ambiente hier wunderschön", befand die Europaabgeordnete Anja Weisgerber. Sie war im Rahmen der Reihe "Starke Frauen in Europa" des Europa-Informationszentrums Haßfurt im Café Ton in Fabrikschleichach zu Gast. Gut gelaunt stellte sie sich in dem fast familiären Kreis den Fragen der Redakteurin Brigitte Krause (Fränkischer Tag) und der gut 20 Frauen im Publikum.

Starke Frauen

"Die Veranstaltung ist der Auftakt zu einer Reihe mit ‚starken‘ Frauen", erläuterte Sabine Gehles, die Leiterin des Europe-Direct-Informationszentrums. "Dabei sollen sich Frauen kennen lernen, ihre Geschichten erzählen und berichten, was sie stark gemacht hat." Ihre Hoffnung, dass die Besucherinnen bei dem Gespräch mit Anja Weisgerber Unterstützung für ihren Weg finden und Tipps bekommen würden, erfüllte sich. "Ich fühle mich von den Aussagen der Europaabgeordneten, dass eine Frau ihr Ziel verfolgen und sich nicht von Niederlagen beeindrucken lassen soll, dass sie ihre Weiblichkeit behalten kann und sich im Stil nicht den Männern anpassen muss, bestätigt", sagte Petra Lettang aus Haßfurt.

Anderes Bild

Denn, so Anja Weisgerber, man werde nicht als starke Frau geboren. Man wachse aber mit seinen Erfolgen. In ihrer Kindheit sei das Bild der Frau noch stark von der Kindererziehung und Haushaltsführung geprägt gewesen. "Ich fand es spannend, wenn Frauen in richtige Männerdomänen eingedrungen sind", erzählte sie. Auch die Politik sei bis heute hauptsächlich von Männern geprägt. Dass sie den Weg in diese Männerwelt gegangen sei, sei ihr nicht vorbestimmt gewesen. Aber die Einsicht, dass es besser sei, selbst etwas zu tun, als nur zu meckern, und die Erkenntnis, dass der Weg zu politischen Veränderungen nur über die Parteien führe, habe sie zum Eintritt in die Junge Union und schließlich die CSU bewegt.

Kraft aus dem Sport

Neben der Politik, wo die Umwelt stets eine große Rolle spiele, habe sie ihr Jurastudium beendet und promoviert. 2004 sei sie ins Europäische Parlament eingezogen, wo sie unter anderem im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit tätig sei und als Sprecherin für Umwelt, Verbraucherschutz, Gesundheit und Sport der CSU-Gruppe fungiere. "Ich achte darauf, durch Inhalte aufzufallen", gab sie an. Denn es sei nicht leicht, als Frau ernst genommen zu werden.

Zum einen seien Kampfgeist und Durchhaltevermögen wichtig, zum anderen dürften sich Frauen nicht zu sehr ins Detail vertiefen. Auch der Aspekt der Weiblichkeit sollte nicht unterschätzt werden. "Als Frau darf man ruhig einmal seinen Charme spielen lassen", meinte die Abgeordnete.

Eine Besucherin, die als Bauingenieurin arbeitet, bestätigte das: "Ich habe versucht, wie ein Mann zu denken und zu reden. Aber erst, als ich meine Weiblichkeit eingebracht habe, kam ich besser zurecht." Dass Frauen auch heute noch oft auf Haushalt und Kindererziehung reduziert werden, beklagten einige Besucherinnen. Weisgerber riet ihnen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Sie habe durch den Sport gelernt,nach einer Niederlage wieder aufzustehen, sagte die mehrfache Bayerische Tennismeisterin.

Ruf nach Freiheit

"Jede Frau muss die Freiheit haben, sich zu Hause um die Kinder und den Haushalt zu kümmern oder gleichzeitig ihren Beruf auszuüben", betonte sie. Die Politik wiederum müsse die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch mehr unterstützen.

Auf die nahende Geburt ihrer Tochter angesprochen, erklärte Anja Weisgerber: "Es wird sicher kein Kinderspiel, meiner Arbeit als EU-Abgeordnete weiter nachzugehen und mich um unsere Tochter zu kümmern", betonte sie. "Aber ich habe in meiner Familie einen starken Rückhalt."

Am Ende des sehr anregenden Gesprächs dankte Sabine Gehles der Moderatorin Brigitte Krause, der Abgeordneten Anja Weisgerber und der Harfenistin Judith Hutzel, die den Abend mit Musik bereichert hatte.