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Frauen an die politische Macht

Die Kitzinger, 10. März 2010

Mit einem Mentoring-Programm will die Frauen-Union Nachwuchs gewinnen
Das Ziel ist hoch gesteckt. Als frauenfreundlichste Partei Deutschlands will sich die CSU in Zukunft präsentieren. „Und damit als modernste Partei“. Das sagt Dr. Anja Weisgerber, Europaabgeordnete und Vorsitzende der Frauen-Union in Unterfranken. Weisgerber weiß, wie sie dieses Ziel erreichen will. Ihr Mentoring-Programm soll Frauen in die Welt der Politik einführen.
Der Kartoffelkeller in Giebelstadt: Auf der Kleinkunstbühne spielt an diesem Abend die große CSU. Dr. Weisgerber hat zur Auftaktveranstaltung des Mentoring-Programms geladen und die wichtigsten Frauen der Unterfranken-CSU sind erschienen. Landtagspräsidentin Barbara Stamm sitzt auf dem Podium, die stellvertretende Generalsekretärin Dorothee Bär, dazwischen Angelika Niebler, Landesvorsitzende der Frauen-Union aus Ebersberg. Sie hat das Mentoring-Programm in ihrem Bezirk bereits vor Jahren eingeführt. Als einziger Mann hat Bundeswirtschaftsminister a. D. Michael Glos auf dem Podium Platz genommen. Auf dem Tisch stehen Wasserflaschen, darunter vier Handtaschen.
Der Frauenanteil in der Unterfranken-CSU liegt bei 19 Prozent. Hauptberufliche Bürgermeisterinnen gibt es gerade mal sieben Prozent. Dabei würden Frauen das politische Leben bereichern. „Wer Vielfalt lebt und die Frauen beteiligt, hat mehr Erfolg“, sagt Dr. Weisgerber. Und: „Die Gesellschaft kann nicht mehr auf den Erfolg und die Meinung von Frauen verzichten.“
Da will Michael Glos, der von Weisgerber ob seines Weitblicks in Sachen Frauenförderung gelobt wird, gar nicht widersprechen. Von einer Frauenquote in seiner Partei hält er dennoch wenig. Schwer zu gestalten sei sie und überhaupt: Der politische Gegner konnte die CSU dann an einer öffentlich gemachten Hürde messen. Viel mehr Sinn mache es, die Frauen über Projekte wie das neue Mentoring-Programm zu fördern. Die Männer dürfen deshalb aber keine Däumchen drehen. „Auch Männer müssen Frauen fördern“, sagt Glos, verlässt dann aber die Bühne. Der Abend soll ganz den CSU-Frauen gehören.
Das Vorbild warnt
Deren großes Vorbild ist Barbara Stamm und die legt erst einmal den Finger in die Wunde. Wenig sei in den vielen Jahren ihrer beachtlichen CSU-Laufbahn besser geworden, der Frauen-Anteil ist nicht gestiegen. Stamm hat viele Frauen kennen gelernt, die vor einer politischen Karriere zurückgeschreckt sind, weil sich Privat- und Politikleben so schlecht verknüpfen ließen. Den rund 80 aufmerksamen und neugierigen Damen im Raum macht sie denn auch keine Illusionen.
„Es war eine harte Zeit für mich“, sagt sie. „Ohne die Solidarität innerhalb der CSU hätte ich es nicht geschafft.“
Und so sieht Stamm im Aufbau eines Netzwerks einen der großen Vorteile des Mentoring-Programms. Weisgerber setzt noch einen drauf. 60 Prozent des beruflichen Erfolgs würde ein funktionierendes Netzwerk ausmachen. Zum engmaschigen Netzknüpfen haben die Frauen in den nächsten neun Monaten ausgiebig Gelegenheit.
15 Mentees sind durch die Vorauswahl gekommen, vier weitere nehmen am Rahmenprogramm teil. Den Mentees sind erfahrene Lokal-, Landes- und Europapolitikerinnen zugelost worden. In den nächsten neun Monaten werden die Mentees ein straffes Programm bewältigen, um den politischen Betrieb kennen zu lernen und zu durchschauen. Nach München und Berlin wird sie das Rahmenprogramm führen. Sie besuchen den Landtag und den Bundestag, erfahren, wie eine Partei aufgebaut ist und funktioniert, wie Themen gesetzt und Aktionen durchgeführt werden, absolvieren ein Rhetorik- und Medientraining und lernen in einem Seminar, wie sie sich zu einer politischen Marke entwickeln können. Thema des Kurses: „Die Marke Ich – Wie werde ich als Politikerin unverwechselbar.“
Zwischen 18 und 49 Jahren sind die Mentees, die sich im Giebelstädter Kartoffelkeller versammelt haben. Sie sind Auszubildende, Studentinnen, Bankkauffrauen, Regierungsrätinnen oder Elektro-Ingenieurinnen. „Ein interessanter Querschnitt aus dem Bezirk Unterfranken“, sagt Dr. Weisgerber. Der Landkreis Kitzingen ist mit drei Frauen vertreten.
Eva Barthelme hat Erfahrungen mit Kameras und Medienvertretern. Als Fränkische Weinkönigin hat sie unzählige Interviews gegeben und Reden gehalten. Als Kreisrätin hat sie auch schon politische Erfahrungen gesammelt. Im Mentoring-Programm sieht sie eine hervorragende Chance, ihre politischen Kenntnisse zu erweitern – Ausgang offen. Eine Laufbahn als Politikerin schließt die 23-jährige gar nicht aus. Zunächst will sie aber ihre Erfahrungen vertiefen und dabei Spaß haben. Mit Barbara Stamm und der Zeller Bürgermeisterin Anita Feuerbach hat Barthelme gleich zwei Mentorinnen zur Seite gestellt bekommen.
Mehr Selbstbewusstsein wünscht sie die Marktbreiterin Iris Klose von politisch motivierten Frauen. Selbstbewusstsein kann die stelltvertretende CSU-Kreisvorsitzende in den nächsten Monaten bei ihrer Mentorin Dorothee Bär tanken – dabei hat Klose schon jetzt klare Vorstellungen von ihren politischen Zielen: Den Kontakt zu den Bürgern würde sie gerne intensivieren und sich selbst am liebsten international betätigen. Kein Wunder: In ihrer Firma betreut sie seit kurzem den Bereich Kundenservice für Japan. Die bürokratischen Hürden beim Export würde sie den politischen Entscheidungsträgern in Brüssel gerne selber vor Augen führen. Gespannt ist Klose vor allem darauf, wie nahe die Politiker an der Realität dran sind – und wie sie sich in ihrem beruflichen Alltag organisieren.
Einen Besuch in der CSU-Akademie hat die dritte im Bunde, Kathrin Blendel, bereits organisiert. Weil er sich mit der Mentoring-Zeit überschneidet und die 25-jährige außerdem kurz vor ihrem Jura-Examen steht, nimmt sie diesmal nicht am Mentoring-Programm teil.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Blendel möchte im nächsten Jahr gerne dabei sein. Für ihre Stadtratsarbeit in Volkach hat sie schon auf der CSU-Akademie viele nützliche Anregungen erhalten. Die will sie gerne vertiefen. Mit dem konservativen Image der Partei hat die 25-Jährige kein Problem. „Ich bin selber ein konservativer Mensch“, sagt sie. Im nächsten Jahr will sie dann einen weiteren Beitrag dazu leisten, die CSU zur modernsten Partei Deutschlands zu machen. Dann soll das Mentoring-Programm in seine zweite Runde gehen – und noch mehr Frauen in die Politik bringen.