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Frankens Weinberge sind in Gefahr

Fränkischer Tag, 5. September 2007

Weinbau Die geplante Reform der europäischen Marktordnung für Wein könnte für die fränkischen Anbaugebiete dramatische Folgen haben. Die vorgesehene Freigabe des Pflanzrechts ab 2014 bedroht eine ganze Kulturlandschaft.

Die von der Europäischen Kommission geplante Reform der Marktordnung für Wein liegt den fränkischen Winzern schwer im Magen. Hintergrund der EU-Aktivitäten ist eine jährliche Überproduktion von bis zu 70 Millionen Hektolitern Wein – ein gigantischer Weinsee.
Den Hauptverursachern in Spanien und Italien wollen die EU-Bürokraten nach vorliegenden Plänen mit Rodungsmaßnahmen an den Kragen. Damit soll vor allen Dingen der im Süden in großen Mengen produzierte billige Tafelwein vom Markt verschwinden. Eine Maßnahme, mit der sich der Geschäftsführer des fränkischen Weinbauverbands, Hermann Schmitt, durchaus anfreunden könnte. Mit anderen Teilen des umfangreichen Maßnahmenpakets – so ist unter anderem eine Lockerung der Etikettierungsvorschriften vorgesehen, ein Verbot der Zugabe von Saccharose und eine generelle Freigabe des Pflanzrechts ab 2014 – hat er dagegen Probleme. Besonders mit der Freigabe des Pflanzrechts will sich Schmitt nicht abfinden. Widersinnig sei das, wenn zum einen Rodungsmaßnahmen erfolgten und andererseits in wenigen Jahren unbeschränkt Wein angebaut werden könnte.
Furcht vor schlimmen Folgen Für die fränkische Kulturlandschaft fürchtet der Verbandsvertreter einschneidende Folgen, weil viele Winzer dann in leichter zu bebauende Tallagen ausweichen und die Hanglagen aufgeben würden. Der Wein würde dann wie in anderen deutschen Anbaugebieten angebaut wie Zuckerrüben.
Weniger Probleme hätten die fränkischen Winter dagegen mit dem Verbot des Zusatzes von Saccharose zum Wein. Wie Oskar Noppenberger, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Nordheim erklärt, sei das bei Frankens Winzern kein großes Thema mehr, weil man aufgrund der klimatischen Verhältnisse auf diesen Zusatz beim Ausbau des Weins eh verzichten könne. Hinsichtlich der Freigabe des Pflanzrechts teilte Noppenberger jedoch die Befürchtungen des Geschäftsführers des Weinbauverbands.
Mit Sorge betrachtet auch Anton Nüßlein die Entwicklung. Der Winzer bewirtschaftet in Zeil rund 7,5 Hektar Rebfläche, allesamt in Steillage. Aus seiner Sicht hätte eine Freigabe des Pflanzrechts gravierende Auswirkungen auf den Weinanbau rund um Zeil. In diesem Fall würden angesichts der Konkurrenz nur noch Winzer bestehen können, deren Flächen voll mechanisch und damit kostengünstiger bewirtschaftet werden. Auch für die Lagen um Zeil und Ziegelanger könnte das mittel- und langfristig das Aus bedeuten. Die Winzer wären dann gezwungen nach leichter zu bewirtschaftenden Tallagen Ausschau zu halten. Der Zeiler Winzer stört sich aber auch an den Brüsseler Bemühungen, alles und jedes reglementieren und vereinheitlichen zu wollen. Wein sei ein sehr individuelles Endprodukt, von unterschiedlichster Beschaffenheit und abhängig von regionalen Traditionen und Gegebenheiten. Dies müsse einfach mehr berücksichtigt werden. Das meint auch Hermann Schmitt. Er fordert weniger EU-Recht und dafür mehr Verantwortung für die einzelnen Anbaugebiete. Schließlich hätte sich der erst vor wenigen Jahren in Deutschland geschaffene gesetzliche Rahmen bestens bewährt. Gerade mit Blick auf die von der EU ebenfalls vorgesehene Lockerung der Etikettierungsvorschriften weist Schmitt darauf hin, dass sich das deutsche Qualitätsweinsystem bewährt habe. Die von Brüssel vorgesehene Abschaffung der Qualitätsweinprüfung will er auf keinen Fall hinnehmen. Denn ein System der Klassifizierung nach Ursprungsbezeichnungen und geografischen Angaben sei in Deutschland angesichts der Vielzahl der Lagen nicht anwendbar. Und die Unterscheidung zwischen Tafel- und Qualitätswein würde für den Verbraucher immer schwieriger.
Hilfe aus Berlin und München Die unterfränkische Europaabgeordnete Anja Weisgerber hat sich jetzt ebenfalls in die Diskussion um die neue EU-Marktordnung eingeschaltet. Im Europaparlament habe man die Kommissionsvorschläge geprüft und Verbesserungsvorschläge erarbeitet, die bislang allerdings nur teilweise berücksichtigt worden seien. Die Abgeordnete setzt deshalb auf Landwirtschaftsminister Horst Seehofer, der die Forderungen des Parlaments im Ministerrat mit Nachdruck vertreten will.
Auch Ministerpräsident Stoiber sprach auf dem Wein-Wander-Tag in Ipsheim mit Blick auf die EU-Pläne von einer eklatanten Benachteiligung der bayerischen Weinwirtschaft, die man nicht hinnehmen wolle.