Saale-Zeitung, 29. Juni 2010
CSU-Arbeitskreis für Stärkung des Forschungsstandorts Unterfranken
Innerhalb Bayerns wurden die Forschungsgelder bisher in einem Nord-Süd-Gefälle verteilt. Dies sieht auch der Vorsitzende des Arbeitskreises Hochschule der CSU Unterfranken (AK Hochschule), Oliver Jörg MdL, so. Damit sich das ändert, hat sein Arbeitskreis jetzt ein Thesenpapier zum Forschungsstandort Unterfranken entwickelt. Es wird am kommenden Samstag, beim Bezirksparteitag der Christsozialen, eine zentrale Rolle spielen.
Die Stärkung des Forschungsstandorts Unterfranken im bayerischen Wettbewerb ist das Ziel einer Initiative des AK Hochschule. Seit Jahrzehnten werde Oberbayern mit Forschungsgeldern überproportional bedient, während „Unterfranken zunehmend vernachlässigt“ werde, erklärt Jörg. Zuletzt sei auch aus den Mitteln des Konjunkturpakets II für außeruniversitäre Forschung kein einziger Euro nach Unterfranken geflossen. Allein vor den 13 Max-Planck-Instituten in Bayern seien zwölf in Oberbayern konzentriert und eines in Mittelfranken, führt Jörg als drastisches Beispiel an. Dabei habe Unterfranken in einigen Bereichen hohe Kompetenzen, die einen Forschungsausbau vor Ort rechtfertigen.
Laut dem Positionspapier der unterfränkischen CSU, wie es am Samstag zur Verabschiedung vorliegt, zählt Unterfranken bereits heute zu den führenden Regionen in Europa. Jörg erwähnt dabei vor allem die Lebenswissenschaften wie Biomedizin, Immunologie- und Infektionsforschung sowie Rehabilitation, aber auch die Energieforschung und nicht zuletzt das Thema Sicherheit und Technik in den Bereichen Mobilität, Elektromobilität, Fahrzeugbau. Auch sei Unterfranken bei Intelligenten Systemen und Mikrosystemen, der Nanotechnologie und der Erdbebenforschung vorne dabei, ebenso wie beim Rohstoffmanagement und Recycling.
Konkrete Projekte
In Unterfranken gebe es bereits einige konkrete Projekte für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Kooperation zwischen Hochschulen, Wirtschaftsunternehmen und Kommunen, wird in dem Thesenpapier berichtet. Diese Projekte seien geeignet, den Forschungsstandort Bayern insgesamt fortzuentwickeln. Jörg benennt als eine der herausragenden Forschungsaktivitäten in der Region das Zentrum für angewandte Energieforschung (ZAE) in Würzburg. Diese Einrichtung strebe derzeit eine Mitgliedschaft in der Leibnitz-Gemeinschaft an. Von dem ersten Institut seiner Art in Bayern könnten hier die Fächer Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften profitieren. Am Untermain entsteht gerade das Wissenschafts-Transfer-Zentrum ZEWIS der Fachhochschule Aschaffenburg und des Industrie-Centrums Obernburg (ICO), das die Kooperation zwischen Hochschule und Wirtschaftsunternehmen stärken soll. In Bad Neustadt und Kitzingen plant man eine „Modellstadt Elektromobilität“. Dabei soll die Zusammenarbeit mit der Chancenregion Mainfranken sowie der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt genutzt werden. Ein „Zentrum für Tele-Medizin“ für den Freistaat könnte in Bad Kissingen entstehen – ein Forschungsprojekt mit großer Wirkungsbreite für die zukünftige medizinischen Versorgung.
Allein das Geld fehle, um diese Entwicklungen entscheidend anzuschieben, weiß Jörg. Seine Kollegin im Arbeitskreis, die EU-Abgeordnete Anja Weisgerber, bestätigt diese Einschätzung und legt noch ein wichtiges Argument nach: „Derzeit schreibt die Europäische Kommission am achten Europäischen Forschungsrahmenprogramm (FRP)“. Für Unterfranken gelte es, die hiesigen Forschungsschwerpunkte frühzeitig dort einzuspeisen. Damit wäre eine unterstützende Begleitung der Weiterentwicklung des Forschungsstandorts Unterfranken auch seitens der EU möglich. Es gehe um keine geringen Beträge. So umfasst das zurzeit laufende sechste FRP allein für Deutschland die Summe von drei Milliarden Euro.
Gemeinsam mit Vertretern von Hochschulen, Forschungsinstituten und Unternehmen mit Forschungsabteilungen wurde das CSU-Papier in einem „Dialogforum Forschungsstandort Unterfranken“ diskutiert und entwickelt. Jörg: „Jetzt sind wir dran“, dieses klare Signal müsse nach München gesendet werden, damit der Forschungsstandort Unterfranken innerhalb der bayerischen Forschungslandschaft stärker als bisher unterstützt werde.