Fränkischer Tag, 18. Juni 2008
Abfallpolitik - Die Mitgliedstaaten der EU sollen ihren Recycling-Anteil steigern. Deutschland erfüllt die Ziele, die bis zum Jahr 2020 erreicht werden sollen, schon heute.
Hanna Roth, Straßburg.
Wiederverwerten statt deponieren: Rund dreieinhalb Tonnen Abfall produziert ein Durchschnittseuropäer pro Jahr, Tendenz steigend. Doch Müll ist in Zeiten von Rohstoffknappheit und Klimawandel nicht mehr nur Müll. Deshalb drängt die EU darauf, dass die Mitgliedsländer mehr recyclen. Das Parlament verabschiedete gestern in Straßburg eine entsprechende Richtlinie. Auf Verbraucher könnten höhere Kosten zukommen.
Das neue Gesetz sieht vor, dass bis 2020 alle EU-Länder 50 Prozent ihres Papier-, Glas- und Metallmülls recyceln oder wiederverwenden. Bei Bau- und Abbruchschutt sollen die Staaten sogar 70 Prozent erreichen. Überprüfen will die EU das Ganze mit Hilfe von Fortschrittsberichten, die von den Ländern alle drei Jahre nach Brüssel geschickt werden. Damit ein Müllchaos wie in Neapel nicht mehr vorkommt, müssen die Staaten Pläne zur Abfallbewirtschaftung vorlegen. Zudem erwartet Brüssel von den Ländern Vorschläge, wie sie ihre Müllberge verkleinern wollen.
Mehr als 1,8 Milliarden Tonnen Abfall fielen im vergangenen Jahr an, recycelt wurde EU-weit davon jedoch nur ein Drittel. In manchen Ländern waren es sogar nur zehn Prozent. Da sich in dem Dreck auch Wertvolles verbirgt, erhofft sich die EU einen Bewusstseinswandel. „Viele Unternehmen können mittlerweile aus Abfällen Rohstoffe gewinnen und so die natürlichen Ressourcen schonen“, sagte gestern die fränkische CSU-Europaabgeordnete Anja Weisgerber. Glas, Papier, Metalle oder gebrauchte Kleidung seien nur einige Beispiele, die zu fast 100 Prozent recycelt werden könnten, so Weisgerber.
Mit dem Recycling-Plan will die EU also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nicht nur die Müllberge sollen reduziert werden, sondern auch Ressourcenverbrauch und Schadstoffemissionen. Deutschland gehört in Europa zu den vorbildlichsten Ländern. Bereits jetzt werden hier über 60 Prozent der Abfälle recycelt. Kritik an der neuen Richtlinie kam nach der Abstimmung nicht nur von den Grünen, sondern auch aus dem konservativen Lager. Denn eventuell müssen Verbraucher bald mehr für die Entsorgung ihres Mülls bezahlen. Grund: Auf Betreiben der Bundesrepublik dürfen die Kommunen entscheiden, ob sie Wertabfälle in eigenen oder privat betriebenen Verbrennungsanlagen entsorgen. Wettbewerb wird es somit kaum geben.