AMZ - Auto Motor Zubehör
Während sich die Autoteile- und Reparaturbranche auf die Automechanika vorbereitete und dort Station machte, kam es in Brüssel zu wichtigen Abstimmungen in den beiden Ausschüssen für Binnenmarkt und Umwelt des Europäischen Parlaments. Auf der Tagesordnung stand dort die Euro 5-Verordnung. Strittig ist hierbei nach wie vorher die Frage, ob nach OBD-Vorbild auch in die Euro5-Gesetzgebung das Recht von freien Werkstätten, Teilehändlern und anderen Marktteilnehmern auf Zugang zu den Technischen Informationen der Autohersteller aufgenommen wird. Die EU-Kommission hatte sich in ihrem Gesetzentwurf dafür ausgesprochen und diese Rechte im sog. Kapitel III aufgeführt.
Im Rahmen des Entscheidungsprozesses steht eine Entscheidung des gesamten Europäischen Parlaments noch aus. Die Entscheidungen von Binnenmarkt- und Umweltausschuss am 5. und 13. September haben aber nunmehr wichtige Pflöcke eingeschlagen. Die beiden Ausschüsse stimmten mit großer Mehrheit für die Positionen der beiden Berichtserstatter und Europaabgeordneten Dr. Anja Weisgerber (CSU, Binnenmarkt) und Matthias Groote (SPD, Umwelt). Von dieser Position der beiden Ausschüsse profitieren die Verbraucher, das Kfz-Handwerk und der Mittestand in der Automobilwirtschaft. Die Verbraucher, weil ihre Reparaturalternative gestärkt wird. Die Werkstätten, weil sie Zugang zu Technischen Informationen bekommen, die sie dringend benötigen, um ihren Kunden einen professionellen und markenübergreifenden Service zu bieten. Die sog. KMU's (kleine und mittlere Unternehmen) unserer Branche können sich schließlich darauf verlassen, dass ihre Kunden weiterhin Fahrzeuge reparieren und ihre Produkte in diese Fahrzeuge eingebaut werden können.
Widerstände zu überwinden
Dabei waren in der Ausschussarbeit einige Widerstände zu überwinden. Die Automobilindustrie hat sich in Brüssel dafür stark gemacht, die entsprechenden Passagen aus der Euro 5-Verordnung zu streichen. "Mit dem uneingeschränkten und nicht diskriminierenden Zugang zu technischen Informationen für freie Werkstätten wird auch gewährleistet, dass die Umweltstandards und die technische Funktionalität von Kraftfahrzeugen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg erhalten bleiben", äußerte sich die Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber schlussendlich aber zufrieden über das Abstimmungsergebnis. Die unterfränkische Europaparlamentarierin weiter: "Der Fahrzeugbesitzer kann frei wählen, welche Werkstatt er mit Wartungs- oder Reparaturarbeiten beauftragen möchte und ist nicht auf die Vertragshändler der Automobilhersteller beschränkt. Dies bedeutet einen Erfolg vor allem für mittelständische Unternehmen."
Der weitere Fahrplan
"Jetzt kommt es darauf an, dass die Gespräche zwischen Ministerrat und Parlament zügig und erfolgreich abgeschlossen werden, damit EURO 5 schnell seinen Weg in das Europäische Gesetzblatt findet", äußerte der SPD-Europaabgeordnete und Berichterstatter im Umweltausschuss Matthias Groote zum weiteren Verfahren. Dann wird auch die Meinung der Bundesregierung gefragt sein, derzeit befassen sich in Deutschland noch die Ausschüsse für Umwelt und Verkehr des Bundestags mit diesen Fragen. Die Entscheidungsfindung im Bundestag wird auch die Position der Bundesregierung im Ministerrat (zuständig ist Bundesumweltminister Gabriel) prägen. Spätestens ab 2009 soll Euro 5 dann Wirklichkeit werden.
OASIS-Standard
Von besonderer Bedeutung ist die Entscheidung in Binnenmarkt- und Umweltausschuss auch für die Einführung des sog. OASIS-Standards, der ebenfalls bei Euro 5 relevant ist. Der OASIS-Standard soll die Auffindbarkeit von Reparaturinformationen der Fahrzeughersteller über die verschiedenen Hersteller und Marken hinweg erleichtern - eine Art Google-Suchmaschine für Technische Informationen. Heute ist es ein für Freie Werkstätten sehr aufwendiges, kostenintensives Verfahren in den Herstellerdatenbanken nachzuforschen - diese folgen weder einheitlichen Bezeichnungen noch sind sie ähnlich aufgebaut. Der unter Federführung der Europäischen Kommission entwickelte OASIS-Standard setzt hier an, fördert ein gemeinsames Vokabular und arbeitet mit Hilfe allgemein gültiger Metadaten-Beschreibungen. Die Kommission hat dabei klargestellt, dass OASIS für die Fahrzeughersteller nicht bedeutet, die Reparaturinformationen in einem neuen Format zu erstellen, sondern sie müssen die vorhandenen Daten auf ihrer Webseite nach OASIS-Kriterien "taggen" und so gezielt auffindbar zu machen.