FAZ, 3. September 2008
BRÜSSEL (Dow Jones)--Ab Ende 2010 werden Wasserstofffahrzeuge in den EU-Staaten nach einheitlichen Kriterien zugelassen. Das Europäische Parlament (EP) stimmte am Mittwoch in erster Lesung einer entsprechenden Verordnung zu. Da sich Parlament und die EU-Staaten bereits vorher auf den Gesetzestext geeinigt haben, ist die Verordnung de facto verabschiedet. Der Ministerrat muss formal noch zustimmen.
Das Gesetz soll den Autoherstellern die Sicherheit geben, dass ein in einem EU-Staat zugelassenes Wasserstofffahrzeug überall in der Union verkauft werden kann, und damit die Entwicklung der Technologie beschleunigen. Die Kommission erhofft davon die Marktreife von mehr schadstofffreien Wasserstofffahrzeugen zwischen 2015 und 2020 sowie eine Kostenersparnis für die Hersteller von bis zu 124 Mio EUR zwischen 2017 und 2025. Die europäische Kfz-Industrie könne ihre Position im weltweiten Wettbewerb jetzt stärken, indem sie die Führung in der Wasserstofftechnik übernehme, teilte Industriekommissar Günther Verheugen mit.
Rentabel wird der Einsatz von Wasserstoffautos laut einer von der EU geförderten Studie wohl zwischen 2025 und 2035 sein. Der Untersuchung zufolge wird es 2035 in der EU 16 Mio Wasserstofffahrzeuge geben und 60 Mrd EUR dürften in den Aufbau der notwendigen Infrastruktur, etwa eines Tankstellennetzes investiert worden sein. Nehme die Entwicklung den beschriebenen Verlauf, dann könne bis 2050 der Erdölverbrauch im EU-Straßenverkehr um 40% verringert werden, heißt es.
Eine Entwicklungsbremse ist nach Ansicht der EP die fehlende Infrastruktur. Bisher gibt es in Europa nach Angaben der CSU-Europaabgeordneten Anja Weisgerber nur etwa 40 Wasserstofftankstellen, von denen die meisten gar nicht öffentlich zugänglich sind. Wasserstoffautos existieren hauptsächlich als Prototypen. Nur eine Handvoll wird von privaten Kunden benutzt. „Kann der Autofahrer sein Fahrzeug nirgendwo auftanken, wird er sicherlich nicht ein solchen Auto kaufen“, monierte auf der SPD-Abgeordnete Matthias Groote. Für den Klimaschutz sei außerdem wichtig, dass Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen gewonnen werde, sagte er.