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„Es ist wirklich ein Kampf" - Erneuerbare Energien Schlüssel zum Klimaschutz - Dr. Anja Weisgerber referierte

Landshuter Zeitung, 17. Oktober 2007

Bohr/Landkreis Kelheim. Zu einer Podiumsveranstaltung zum Thema „Kampf gegen den Klimawandel" luden am Samstagabend der Kreisverband der CSU Kelheim, der Bezirksverband Landshut sowie die Arbeitskreise Umwelt der beiden Verbände und die Junge Union Bayern ins Gasthaus Sixt in Rohr ein. Ein fundiertes Referat zum Thema hielt Dr. Anja Weisgerber, Europaabgeordnete und Umweltpolitische Sprecherin der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament sowie Leiterin des AKU der Jungen Union Bayern.
Im März konnte Bundeskanzlerin Angela Merkel als Ratspräsidentin auf dem europäischen Gipfel der Staats- und Regierungschefs verbindliche Ziele zur Reduzierung des C02-Ausstoßes in Europa durchsetzen. Die Europäische Union stellt sich damit der Herausforderung, den Klimawandel zu bekämpfen. Diese ambitionierten Ziele müssen nun durch konkrete Maßnahmen in den Mitgliedstaaten - unterstützt durch die europäische Ebene - umgesetzt werden. Wie diese Umsetzung aussehen kann, war Gegenstand der Information und Diskussion im Gasthaus Sixt. Das Interesse der Bevölkerung und auch der Mitglieder der CSU für das Thema hielt sich wohl in Grenzen - lediglich 30 Zuhörer fanden Zeit für die Informationsveranstaltung.
Dabei sei das Thema hoch aktuell -dies betonten sowohl Lothar Steinsdorfer, der im Namen des Arbeitskreises Umwelt des Landkreises Kelheim die Gäste begrüßte, als auch der Europaabgeordnete Manfred Weber und der Kreisvorsitzende der CSU Kelheim, Martin Neumeyer, in ihren Grußworten. Der Friedensnobelpreis für AI Gore, den unermüdlichen Aufklärer in Sachen globale Erwärmung und ihrer Folgen sowie für den Weltklimarat sei ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Stunde der radikalen Reduzierung des C02-Ausstoßes nun endgültig angebrochen sei und Bestätigung der Tatsache, dass der Klimawandel von Menschen verursacht wurde. Beide Redner freuten sich sehr, mit Dr. Anja Weisgerber eine kompetente Referentin begrüßen zu dürfen.
Sie ist seit vielen Jahren eine engagierte Verfechterin nachwachsender Rohstoffe und der nachhaltigen Energiewirtschaft in Bayern und in der Europäischen Union. Dennoch vergaßen beide nicht zu erwähnen, dass die CSU auch um die Arbeitsplätze der Automobilindustrie in Bayern besorgt sei. 60 Prozent der bayerischen Arbeitnehmer stünden hier in Brot und Lohn. Zugleich seien die Technologien des Klimaschutzes auch eine große Chance: Das Straubinger Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe sei ein Beispiel dafür, betonte Manfred Weber. Stolz sei man in der CSU auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, die so beherzt um einen internationalen Konsens in Sachen Klimaschutz kämpft. „Europa muss hier mit einer Stimme sprechen", betonte der Europaabgeordnete.
Auf die finanzielle Komponente des Klimaschutzes machte Martin Neumeyer aufmerksam. Erst, wenn der Klimaschutz Geld sparen helfe, werde er von der breiten Bevölkerung angenommen. In Amerika beispielsweise interessiere sich lediglich ein Prozent der Bevölkerung für den Klimaschutz, doch in Europa werde das Thema ernst genommen. „Es ist wirklich ein Kampf", so Neumeyer. Immer noch verunsichern gegenteilige Behauptungen mancher Wissenschaftler die Menschen.
Die Referentin gab mit ihrer klar strukturierten Präsentation den Zuschauern einen Einblick in den gegenwärtigen Stand der Forschung, die Folgen des Klimawandels für die Welt, für Bayern und für den Landkreis Kelheim. Sie begrüßte die verbindliche Erklärung des Europäischen Rates vom März 2007 zu Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 20 Prozent bis 2020. Das ehrgeizige Ziel sieht auch Erhöhung der Energieeffizienz um 20 Prozent sowie die Erhöhung des Anteils der erneuerbarer Energien um 20 Prozent vor - ebenfalls bis 2020. Der Anteil der Biokraftstoffe soll bis 2020 auf zehn Prozent steigen. Es sei ein gesamteuropäisches Energiepaket, das den Mitgliedstaaten jedoch freie Wahl dabei lässt, auf welchem Weg diese Ziele erreicht werden sollen.
Bei den erneuerbaren Energien beispielsweise lag 2005 der Durchschnitt in Europa bei sechs, in Deutschland bei fünf und in Bayern bei zehn Prozent. 20 Prozent seien ein sehr ehrgeiziges Ziel. Europaweit stehe die Biomasse mit 66 Prozent an erster Stelle bei den erneuerbaren Energien. Am schwächsten beteiligt sei dagegen mit 0,7 Prozent die Solartechnologie die noch nach Geothermie und Windenergie (beide 5,5 Prozent) komme.
Bayern sei dabei in Deutschland führend: 50 Prozent des Solarstroms werden in Bayern erzeugt, ein Drittel der Solarpumpen und Kollektoren in Bayern installiert, 80 Projekte für Tiefen-Geothermie seien derzeit in Planung.

Die Europäische Union erarbeitete einen Fahrplan für die Mitgliedsstaaten und will diese konsequent in Pflicht nehmen. Vor allem im Bereich Heizen und Kühlen soll der Anteil der erneuerbarer Energien bis 2020 verdoppelt werden. Die Förderung wird dabei dort vorgenommen, wo die erneuerbaren Energien am effizientesten gewonnen und eingesetzt werden können.
Zum Schluss zeigte die Referentin auf, wie jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen kann. Energiepass für Gebäude, Power-Pakt zwischen den Eltern und den Jugendlichen zur Kontrolle des Stromverbrauchs im Haushalt, energiebewusstes Verhalten (Straßenverkehr, Kaufverhalten, Haushalt) seien einige Beispiele. „Die Verantwortung für den Klimawandel ist nicht teilbar, jeder muss seinen Beitrag leisten, damit der Klimaschutz gelingt", so die Referentin. Die anschließende Diskussion zeigte, dass die Gäste vielfältig am Thema und an konkreten Technologien interessiert waren - in Anja Weisgerber fanden sie eine kompetente Ansprechpartnerin.