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Die Kitzinger, 2. Oktober 2007

Weinmarktreform – Kritik an Vorschlägen bleibt – Angst vor veränderter Kulturlandschaft

LANDKREIS KT/WÜRZBURG.
Die Texte sind noch nicht zu Ende geschrieben - und genau darin liegt die Chance der fränkischen Winzer. Wie groß ihr Einfluss auf die endgültige Weinmarktreform sein wird, ist spekulativ. Zwei wichtigen Vermittlern konnten sie gestern ihre Ängste und Sorgen mitteilen.

Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber und Kommissionsmitglied Dr. Henning Arp genossen den Blick von den Escherndorfer Steillagen ins Maintal - und den ein oder anderen Schluck Frankenwein. Was ihnen die hiesigen Weinexperten über die bisherigen Vorschläge der EU-Kommission sagten, dürfte ihnen allerdings weniger gemundet haben. Zwischenbilanz des Fränkischen Weinbauverbandes: Die Hauptziele der überfälligen Reform werden verfehlt. In Schulnoten ausgedrückt: Eine klare 6.
Nun können Dr. Weisgerber und Dr. Arp nicht persönlich verantwortlich gemacht werden für eine „handwerklich ganz schlechte Arbeit“, wie es ein Experte hinter vorgehaltener Hand ausdrückte. Sie versprachen, die Anregungen aus dem Weinanbaugebiet Franken nach Brüssel zu tragen und in die fortwährende Diskussion einfließen zu lassen. Nach derzeitigem Stand der Dinge soll die Weinmarktreform im Februar 2008 beschlossen werden.
Auf bereits erzielte Erfolge im Abwägungsprozess und einen wachsenden Pool an Verbündeten machte Dr. Weisgerber in der mittäglichen Pressekonferenz aufmerksam. 18 der 27 Mitgliedsstaaten würden sich der deutschen Position annähern. Über 20 Staaten seien mittlerweile dafür, dass die Anreicherung mit Zucker auch weiterhin erlaubt wird. Positive Signale gebe es hinsichtlich der Etikettierungsvorschriften. Die Lagebezeichnungen sollen nicht angetastet, ihr Schutz unbürokratisch möglich sein. „Der einzelne Winzer muss seine Lage nicht neu anmelden“, verdeutlichte Dr. Arp.
Doch wie immer bei Reformen steckt der Teufel im Detail. Bei Neuanlagen würden auch die neuen Bestimmungen der EU greifen, befürchtet Dieter Ofenhitzer, Letter des Sachgebiets Weinbau an der Landesanstalt in Veitshöchheim. Fränkische Winzer müssten dann beispielsweise eine homogene Fläche mit nur einer Rebsorte bepflanzen. Die Sortenvielfalt könnte darunter leiden.
Die größten Sorgen bereitet den Vertretern der fränkischen Weinwirtschaft allerdings der Kommissionsvorschlag, die Pflanzungsrechte ab dem Jahr 2014 zu liberalisieren. Mit anderen Worten: Überall in Europa könnte dann Wein angebaut werden. Auf bisherigen Äckern, in Tälern, am Strand. „Unsere Kulturlandschaft wird sich massiv verändern“, warnt der Geschäftsführer des Fränkischen Weinbauverbandes, Hermann Schmitt. Materielle Werte, wie sie bekannte Lagen wie der Würzburger Stein oder der Escherndorfer Lump vorweisen, könnten über Nacht vernichtet werden - wenn ihr Schutz nicht länger gewährt wird. „Wir sprechen hier genau genommen von einer Enteignung", meinte der Vizepräsident des Weinbauverbandes, Eugen Preißinger. Die.Lösung präsentierte Ofenhitzer: „Jedes Land muss seine nationalen Bestimmungen beibehalten dürfen.“ Wenn das EU-Recht auf einen Anbaustopp ausläuft, sei das für ihn kein Problem. Die nationalen Vorgaben müssten dann aber weiter bestehen, „Wir wollen unsere eigenen Qualitätsbestimmungen", forderte er.
Mut machte den hiesigen Weinexperten die Aussage von Dr. Weisgerber. Der Druck im europäischen Parlament sei groß und fokussiere sich jetzt auf das Thema der Liberalisierung. „Wir werden noch Entscheidendes verändern können“, prophezeite sie.
Die grundsätzliche Einstellung der EU-Kommissare spricht jedoch für eine Gleichstellung mit anderen Landwirtschaftsreformen. Weg von Stützungsmaßnahmen lautet das Ziel. „Und warum sollten wir einem Winzer verbieten, auf einer Fläche Wein zu produzieren, wenn er, den Markt dafür sieht?", fragte Dr. Arp. Er will die Anregungen aus Franken - die ihm in Kürze auch in schriftlicher Form vorliegen sollen - in die Debatte einfließen lassen. Dass dabei jeder Satz eine gewichtige Rolle spielen kann, zeigte sich bei der gestrigen Diskussion deutlich. Während Dr. Arp versicherte, dass die fränkische Qualitätsweinprüfung auch in Zukunft fortbestehen kann - wenn es Deutschland so wolle - behauptete Geschäftsführer Schmitt steif und fest, dass davon nichts im bisherigen Kommssionsvorschlag steht. Während Dr. Arp versicherte, dass die EU keine Zustände wie in Übersee mit einer industrialisierten Weinwelt wolle, befürchten die fränkischen Weinexperten genau diese Folge aus den bisherigen Vorschlägen. In den nächsten Wochen wird der endgültige Vorschlag für die beschließende Ministerrunde geschrieben - noch bleibt etwas Zeit, die richtigen Worte zu finden.