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Erfolgreicher Kampf für den Escherndorfer Lump

Bayernkurier, 14. Februar 2009

Bis 2014 erhalten Frankens Winzer 2,3 Millionen Euro zusätzlich – CSU-Europagruppe rettet den Bocksbeutel

Escherndorf – Bei Winzer Horst Sauer in Escherndorf im unterfränkischen Landkreis Kitzingen ist der Erfolg der jüngsten Reform der EU-Weinmarktordnung schon angekommen: Die Zinsen für ein Darlehen, mit dem er auf seinem Weingut größere Um­baumaßnahmen vornahm, wurden zum Teil aus zusätzlichen Fördergeldern der EU bezahlt.

Die Mittel wurden frei, weil die EU endlich der Überproduktion von südeuropäischen Billigweinen zuleibe rückt, um bis zu 600 Millionen Euro einzusparen, mit denen sie bisher die Destillation der Billigweine bezuschusst hat. Das freigewordene Geld sollen die Mitgliedstaaten erhalten, um den nationalen Weinbau so zu fördern wie sie es für richtig halten. 2009 erhält Deutschland aus diesen Mitteln etwa 23 Millionen Euro, die auf die 13 deutschen Weinanbaugebiete aufgeteilt werden. Etwa 800 000 Euro fließen so an die fränkischen Winzer. Bis 2014 soll die Förderung sogar auf 2,3 Millionen Euro anwachsen.

Die Weinmarktreform-Saga hat allerdings auch gezeigt, „dass man für jeden Gewinn aus Brüssel sehr hart kämpfen muss“, berichtet die unterfränkische Europaabgeordnete Anja Weisgerber. Ursprünglich hatte die Kommission mit ihrer Reform vor, allen EU-Winzern das südeuropäische System der Herkunftsbezeichnungen aufzuzwingen. Alle anderen Angaben auf dem Etikett über Lage, Rebsorte und Qualitätsstufen – Kabinett, Spätlese, Auslese – sollten verboten werden. Auch der Schutz des Bocksbeutels – das Kennzeichen für fränkischen Qualitätswein schlechthin – sollte wegfallen.

Die fränkischen Winzer waren geschockt. Die Vielfalt der fränkischen Weine war in Gefahr. Mit den Plänen der Kommission hätte es etwa den berühmten Escherndorfer Lump so nicht mehr geben können. Billiger vino tinto wäre in Bocksbeuteln verkauft worden. Winzer Sauer: „Ich hab nicht geglaubt, dass man das noch abwenden kann.“

Man konnte. Im Verein gelang es den Landwirtschaftsminis­terien in München und Berlin, der CSU-Europagruppe in Brüssel und den Winzern, der Kommission die Reformpläne auszureden. Im Europäischen Parlament konnte schon früh eine Mehrheit gegen die Kommissionspläne gewonnen werden, berichtet Weisgerber, die sich als Anwältin Unterfrankens in Brüssel und Straßburg besonders intensiv für die Winzer einsetzte.

Mit der Reform, so wie sie das Parlament im Dezember 2007 verabschiedete, können nun alle Weinfreunde zufrieden sein: Der Bocksbeutel bleibt geschützt, und die fränkischen Winzer dürfen ebenso wie ihre Kollegen in der Pfalz oder vom Neusiedler See weiterhin Lagen und Qualitätsstufen auf die Etiketten drucken. Was Winzerverbände nicht daran hindert, jetzt darüber nachzudenken, für den Export das DOC-System zusätzlich einzuführen. Denn das dürfen sie jetzt auch. Weisgerber: „Es war wichtig, für unsere Winzer alle Optionen offen zu halten.“ Das ist gelungen.

Heinrich Maetzke