Auszug aus Mainpost, 10. März 2010
EU-Parlament streicht Bilanzierungspflicht
Das Europäische Parlament befreit Kleinstunternehmen von der Bilanzierungspflicht. Metzger, Bäcker, Handwerker – Kleinunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern – werden von der geltenden Bilanzierungspflicht in der EU befreit. Das Parlament hat sich am Mittwoch in Straßburg mit breiter Mehrheit dafür ausgesprochen.
„Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung Bürokratieabbau und eine sinnvolle Erleichterung für den Mittelstand“, sagte die Vizevorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand im Europäischen Parlament, Anja Weisgerber (CSU). „Gerade in der Krise ist es notwendig, den Mittelstand zu entlasten“, so die unterfränkische Europaabgeordnete. Neben der Höchstzahl von zehn Beschäftigten darf ein Kleinbetrieb nicht mehr als eine Million Euro Jahresumsatz und 500 000 Euro Bilanzsumme haben, um von der Ausnahmemöglichkeit zu profitieren.
Umfassende Analyse
Die europäischen Bilanzierungsregeln enthalten beispielsweise die Pflicht, neben dem Jahresabschluss einen Lagebericht anzufertigen. Dieser Bericht muss eine umfassende Analyse des Geschäftsverlaufs, der Geschäftsergebnisse und der Lage der Gesellschaft enthalten und öffentlich bekannt gemacht werden. „Dies passt auf global und im europäischen Binnenmarkt tätige Konzerne, aber nicht auf den Bäckereibetrieb um die Ecke“, so Weisgerber.
Der Vorschlag stammt von einer Expertengruppe unter Leitung des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Diese berechnete, dass kleine Unternehmen durch die Richtlinie um 5,7 Milliarden Euro entlastet werden. Je nach Betrieb könne es sich um Einsparungen von 1000 bis 3000 Euro pro Jahr handeln, erörterte Manfred Weber, stellvertretender Vorsitzender der EVP-Fraktion und Bezirksvorsitzender der CSU Niederbayern. (…)
Länder dürfen entscheiden
Da nicht alle EU-Mitgliedsstaaten diese Ausnahme befürworten, soll es den Ländern freigestellt bleiben, ob sie Kleinstunternehmen von der Pflicht befreien, ihren Jahresabschluss zu veröffentlichen. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 70 Prozent der Firmen betroffen. (…) . Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), begrüßt den Vorstoß aus Brüssel: „Dies ist ein sehr wichtiger Schritt dahin, dass Kleinstunternehmen künftig von den aufwendigen EU-Bilanzierungspflichten befreit werden.“