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Pressemitteilung

Vinzenztag der Caritas in der Don-Bosco-Berufsschule – Podiumsdiskussion zur Zukunft der Wohlfahrtsverbände –
Prälat Norbert Feldhoff: "Gerade in Zeiten des Umbruchs gefragt"
Würzburg (POW) Gerade in Zeiten des Umbruchs sind Anwälte der Benachteiligten, Helfer in konkreten Notlagen und Solidaritätsstifter in der Gesellschaft gefragt. Das hat Prälat Norbert Feldhoff, Vizepräsident des Deutschen Caritasverbands und langjähriger Generalvikar des Erzbistums Köln, am Montagabend, 20. September, beim Vinzenztag des diözesanen Caritasverbands in der Don-Bosco-Berufsschule betont. Für die Kirche könne Caritas niemals ein Auslaufmodell sein. "An der konkreten tätigen Nächstenliebe, an der Caritas, ist die Treue zu Christus nicht weniger zu messen als wenn es um die Rechtgläubigkeit geht. Das sagt kein geringerer als der Papst", betonte Feldhoff. Dabei sei entscheidend, dass in den Diensten der Caritas nicht nur fachlich kompetent geholfen werde, sondern dass die Hilfe aus einer Glaubenshoffnung heraus geschehe, die auch angesichts des Todes Bestand hat. "Unser Dienst soll Zeugnis geben von dem Gott des Lebens und der Liebe." Es sei eine wichtige Aufgabe für verbandliche Caritas wie für die verfasste Kirche, ihre Zusammengehörigkeit öffentlich wirksam zu vermitteln. Als einen "Horror" bezeichnete Feldhoff die Tatsache, dass Caritas in der Bevölkerung ein hohes Ansehen genieße, während die Mehrheit einer Online-Umfrage mit 450.000 Teilnehmern der katholischen Kirche nicht vertraue. Als Lösungsansatz empfahl Feldhoff zum einen eine Rückbesinnung auf karitative Aktivität in der Pfarrei. "Ich befürchte, dass selbst für manche Pfarrer das Wesensmerkmal ‚tätige Nächstenliebe’ nicht gleichrangig neben Verkündigung und Gottesdienst, sondern als durchaus wünschenswert, aber letztlich doch an dritter Stelle rangierend, hinter den beiden erstgenannten steht." Aber auch die Caritas sei gefordert, sich wieder stärker an die Pfarreien anzubinden. Die Dienste könnten durch ehrenamtliches und freiwilliges Engagement ergänzt werden. In der anschließenden Podiumsdiskussion gingen die Positionen weit auseinander, was Gegenwart und Zukunft der Wohlfahrtsverbände angeht. Europaparlamentarierin Dr. Anja Weisgerber (CSU) hob die Bedeutung der Wohlfahrtsverbände für die flächendeckende Versorgung auf hohem Qualitätsniveau hervor. Landtagsabgeordnete Theresa Schopper(Bündnis 90/Grüne) nannte die Insolvenzberatung als wichtige Hilfeleistung der Caritas: "Sie hat schon immer Sachen übernommen, an die sich sonst keiner gewagt hat." Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, sprach von einer offensichtlichen Privilegierung der Wohlfahrtsverbände. "Sie profitieren von Zivildienststellen, den geplanten Ein-Euro-Jobs und haben aufgrund ihrer Gemeinnützigkeit steuerliche Vorteile", sagte Hüther. "Wer gemeint hat, er könne allein auf Zivis bauen, ist nicht sehr weit gekommen", entgegnete Klaus Diedering, Mitglied des Zentralrats des Deutschen Caritasverbands. Er verwies auf die stattliche Zahl von 1800 Ehrenamtlichen, durch die die Arbeit der 600 hauptamtlichen Caritasmitarbeiter im Landkreis Haßberge unterstützt werde. Nur 1,4 Prozent der jährlichen Ausgaben werde im Kreiscaritasverband Haßberge, dessen Geschäftsführer Diedering ist, aus Kirchensteuermitteln finanziert, und nicht, wie von Hüther behauptet, 83 Prozent. Dr. Peter Motsch, Sozialreferent der Stadt Würzburg, lobte das Engagement der Kirchen, gerade in defizitären Bereichen, in denen sich weit und breit kein privater Konkurrent sehen lasse. "In der Bahnhofsmission oder als Betreiber von Kindergärten sind zuallerst Caritas und Diakonie aktiv." Feldhoff erklärte sich bereit, der Aufforderung Hüthers nach Offenlegen der Haushalte gerne Folge zu leisten, "wenn alle gemeinnützigen Vereine das müssen". Als schwierig wertete der Prälat die Situation der Krankenhäuser in Trägerschaft der Caritas. Hier sei vor drei Jahrzehnten der BAT-Tarif eingeführt worden, um einen Wechsel zwischen öffentlichen und kirchlichen Krankenhäusern zu ermöglichen. Privatisierte Krankenhäuser seien nicht tarifgebunden und könnten bis zu zehn Prozent bei den Lohnkosten einsparen. Die einzige Möglichkeit für die Caritaskrankenhäuser sei, darauf zu hoffen, dass mindestens 50 Prozent der Belegschaft sich für einen solchen Lohnverzicht aussprächen. "Als Priester bin ich auf Hoffnung verpflichtet", sagte Feldhof augenzwinkernd.
Der Wettbewerb sei durch die EU noch größer geworden, gab Weisgerber unumwunden zu. "Er darf aber nicht zu Lasten von Qualität und Flächendeckung gehen." Sie versprach, auf Wunsch gerne über europäische Fördermittel zu informieren. Schopper warnte davor, im Zuge der staatlichen Sparmaßnahmen jetzt wichtige Angebote wie den Integrationsdienst für Flüchtlinge weg zu kürzen, die dann später mit großen Anstrengung wieder aufgebaut werden müssen. Motsch schloss sich dem an und betonte, dass Strukturkonzepte wichtiger seien als Finanzen. "Das Ziel des Sparens an sich ist vernünftig. Aber München hat uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt." Feldhoff wandte sich gegen die vielfach gestellte Forderung, die Kirche solle die Finanzierungslücken aus ihrem Vermögen decken. "Die Lage im Bistum Berlin hat gezeigt, was ohne Rücklagen passiert. Ich warne vor einer solchen Politik – um der Menschen willen." Der Einsatz vor allem für Menschen ohne Lobby sei von enormer Wichtigkeit. Alle seien aber aufgefordert mitzudenken, was finanzierbar sei.