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Eine Watschn und viele lange Gesichter

Auszüge aus Mainpost, 19. Juli 2009

Der CSU-Parteitag zeigt, dass die Wunden des vergangenen Jahres noch lange nicht verheilt sind

Nürnberg. Eineinhalb Tage war alles gut gegangen. Der CSU-Parteitag in der Nürnberger Messehalle plätscherte zwar ein wenig uninspiriert dahin. Aber dem von der Parteispitze fest ins Visier genommenen Ziel der Veranstaltung war das durchaus dienlich: Geschlossenheit und Harmonie sollte die Partei rund 70 Tage vor der Bundestagswahl demonstrieren…

„Ich bin zufrieden“, erklärte Seehofer hinterher trotzdem tapfer. Und von „Verletzungen“ sprach er, die entstehen „wenn sie so viel umkrempeln“ in der Partei. Doch auch die übrigen Wahlergebnisse für die CSU-Führungsmannschaft zeigten sehr deutlich, dass die Partei trotz Erfolg bei der Europawahl noch nicht zur Ruhe gekommen ist: Mit rund 86 Prozent bekam die Würzburgerin Barbara Stamm in der Riege der Parteivize noch das beste Ergebnis...

In der Tat war der Parteitag zuvor in fast schon ermüdender Nüchternheit über die Bühne gegangen: Zunächst hatte CDU-Chefin Angela Merkel bei ihrem Gastauftritt am Freitag alle denkbaren Streitpunkte mit der CSU weiträumig umschifft. Und auch Seehofer verzichtete am Samstagvormittag auf einen provokanten Wahlkampfauftritt. Ohne seinen gefürchteten Spott und ohne Provokationen bemühte er sich um Substanz und Ernsthaftigkeit: Er listete eigene Erfolge in Berlin und München auf und lobte jeden seiner Mitstreiter – auch die, die er jüngst noch öffentlich abgebürstet hatte.

Gar so etwas Ähnliches wie eine Entschuldigung für seinen mitunter ruppigen Führungsstil hatte Seehofer parat: „Wenn man hart zu sich selbst ist, eisenhart“, dann passiere es gelegentlich, dass man „das eine oder andere Maß an vernünftigem Gespräch, Diplomatie, Einfühlungsvermögen oder auch Zeit nicht so einbringen kann, wie man sich das persönlich vorstellt“, teilte er mit.

Drei Unterfranken im Vorstand
Ein paar glückliche Gesichter gab es zum Abschluss allerdings doch noch: So setzen sich in einer Kampfabstimmung um den Einzug in den Parteivorstand unter anderem die Unterfranken Anja Weisgerber, Carolin Opel und Bernd Weiß durch. Ex-Staatskanzleichef Eberhard Sinner scheitert dagegen knapp.

Im Schaulaufen der Kronprinzen hatte auch in Nürnberg Karl-Theodor zu Guttenberg klar die Nase vorne. Wie ein Popstar gab der Oberfranke den Delegierten Autogramme oder stand für ein Foto bereit. Bei der Sammelabstimmung über die Bezirksvorsitzenden für den Parteivorstand räumte er das Traumergebnis von 95,6 Prozent ab. Co-Kronprinz Markus Söder schafft gerade einmal 59,8 Prozent. Vor allem aber schaffte zu Guttenberg etwas, was derzeit in der CSU absolut nicht selbstverständlich ist: Er bekam Applaus – von der fränkischen wie von der altbayerischen Seite.

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