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Einblick in ein etwas anderes Altenheim

Saale-Zeitung, 17. Februar 2009

Europa-Parlamentarierin Anja Weisgerber informierte sich im Seniorenhaus Kramerswiesen

OERLENBACH. „Ich würde mich hier sehr wohl fühlen.“ So beurteilte die EU-Parlamentarierin Anja Weisgerber das Seniorenhaus „Kramerswiesen“ in Oerlenbach. Die Politikerin mit dem Schwerpunkt Sozialwesen hat bei einer Führung durch die Einrichtung Einblicke in das bauliche und betriebliche Konzept gewonnen und sich mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern ausgetauscht über das Leben im Heim.
Pfarrer Jochen Kessler-Rosa, Vorsitzender des Diakonischen Werks Schweinfurt, freute sich über ihren Besuch in der Einrichtung, die im September 2008 in Betrieb ging. Barbara Mayerhofer, die Diakonie-Geschäftsbereichsleiterin für stationäre Altenhilfe im Landkreis Bad Kissingen. Erläuterte das Konzept. Hier können Hausgemeinschaften den Tag in kleinen Gruppen miteinander gestalten, wobei eine Alltagsbetreuerin die Bedürfnisse und Kompetenzen des Einzelnen berücksichtigt. Das Haus ist barrierefrei, so dass Rundgänge in Haus und Innenhof auch mit Rollator problemlos möglich sind. Eine Gruppe besteht aus maximal einem dutzend Teilnehmer; ihre zwölf Betten sund auf zwei Doppel- un acht Einzelzimmern mit eigenen Bädern verteilt.
Freiheit im Ablauf
Zum Konzept gehört, dass die Bewohner im hauswirtschaftlichen Bereich mitwirken können mit der Konsequenz, das die Quote der Hilfskräfte um 20 Prozent abgesenkt wurde. Der Tagesablauf biete große Freiheit. Das Essen werde großteils angeliefert bzw. je nach Möglichkeit auch in Gruppen gefertigt.
Stets sei Leben im Haus, auf strenge Ordnung werde verzichtet. Das Haus selbst sei durch seine unmittelbare Nähe zu Schule, Kindergarten, Rathaus und Kirche im Ort verwurzelt. Die Patienten fühlten sich wohl, manche entwickelten neue Kräfte, es herrsche ein frohes Klima. Sehr zufrieden sei man mit der Akzeptanz, denn inzwischen seien von den vier Häusern drei belegt.
Das bauliche Konzept stelle Architekt Gerd Sambale vor. Vom zentralen Eingangsbereich mit großem Gemeinschaftsraum erreicht man die vier farbig gekennzeichneten Wohneinheiten. Die Ebenerdigkeit spare Energie für Aufzüge. Das Haus in Holzständerbauweise habe energetisch hervorragende Werte bei 40 kW je Quadratmeter und Jahr und liege somit unter dem Niedrighausstandard von 50 kW. Die Wohntemperatur differiere zwischen Boden, Decke und Wänden nur um bis zu drei Grad. Die Wärmeversorgung über eine zentrale Hackschnitzanlage sei optimal.
Ernst Engelhardt von „SELA“ (Selbstbestimmtes Leben im Alter“) ergänzte, dass dank der verwendeten Materialien ohne Folien auch eine sehr gute Schalldämmung erreicht wurde. In Oerlenbach stehe - nach Hof und Konradsreuth – das dritte Gebäude dieser Art, weitere seien in Planung bzw. Bau.
Kreisbaumeister Günther Stammwitz erinnerte an die bauliche Bewertung des Landratsamtes. Für die eingeschossige Form brauchte man mehr Fläche, bei Zweigeschossigkeit hätten mobilere Bewohner im Obergeschoss untergebracht werden können. Es gelte im Einzelfall abzuwägen, wobei auch die Bauart in Holzständerweise ein Umdenken einleite. Nicht allein Langlebigkeit, sondern Energiefragen und Zweckmäßigkeit würden bestimmen.
Für die Gemeinde verdeutlichte 2. Bürgermeister Franz Kuhn die Geschichte des Seniorenheims. Bereits 2001/2002 überlegte man dieses Angebot zu schaffen, um Bürgern zu ermöglichen, am Ort in vertrauter Umgebung alt zu werden. Die Diakonie sei ein idealer Partner in der Umsetzung gewesen. Die Gemeinde stellte das Grundstück bereit und half beim Bau des Gemeinschaftsraumes, der Schaffung von vier Einheiten für betreutes Wohnen und der zentraler Heizung.
Anja Weisgerber zeigte sich beeindruckt von dem Haus als beispielhaftes Projekt, das auch EU-Ziele wie Energieeinsparung und weniger Schadstoffausstoß umsetze. Der Bau sein von mittelständischen Unternehmen erstellt worden und habe so auch zur Festigung örtlicher Betriebe beigetragen. Entstanden sei ein wunderbares, helles Gebäude mit angenehmer Atmosphäre.