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Ein Steckbrief für Medikamente

Main Post, 23. November 2010

Der Arzt am Ferienort sprach kein Deutsch, die Urlauberin kein Französisch. Trotzdem konnte der Mediziner helfen: Zum Schluss gab es nicht nur ein Rezept, sondern auch den Beipackzettel auf Deutsch. Ausgedruckt aus der neuen Datenbank der EU. Heute stellt das Europäische Parlament die Weichen. „Wir kommen dem Ziel einer verbesserten Patienteninformation endlich näher“, sagt der frühere Arzt und heutige CDU-Europa-Abgeordnete Peter Liese.

„In vielen Staaten darf bis heute nicht einmal der Beipackzettel ins Netz gestellt werden“, kritisiert Anja Weisgerber (CSU) aus Schwebheim (Lkr. Schweinfurt), die Fachfrau des Plenums für dieses Thema. Nach schwedischem Vorbild und besten Erfahrungen dort sollen nun alle Mitgliedsstaaten zunächst auf nationaler Basis vergleichbare Datenbanken erstellen, die ausschließlich geprüfte Angaben über verschreibungspflichtige Medikamente enthalten. Später werden die Datensammlungen miteinander verknüpft und in allen EU-Sprachen verfügbar gemacht.

Parallel dazu wollen die Europa-Politiker mit Unterstützung der Ärzte- und Apothekerverbände den gängigen Beipackzettel kundenfreundlicher gestalten. So sollen die Fakten künftig in einer Art „Steckbrief“ übersichtlich präsentiert und komplizierte, medizinische Formulierungen eliminiert werden. Zusätzlich dürfen die Pharma-Hersteller weitergehende Informationen im Netz anbieten. Werbung bleibt jedoch tabu.

(...)

Aus Sicht der Kommission dient die „sachlich geprüfte Information“ auch zur Abwehr einer anderen Gefahr. Durch die rapide wachsende Zahl von gefälschten Pillen, Salben und Dragees werden immer häufiger Patienten kränker als sie vor der Einnahme waren. Nach Erhebungen der Kommission liegen heute bereits fünf von 100 Patienten nur deshalb im Krankenhaus, weil sie das falsche Medikament oder ein richtiges Arzneimittel falsch eingenommen haben. Von 197 000 Todesopfern durch unseriöse Nachahmer-Mittelchen ist die Rede.

Abgesehen vom Kampf gegen solche bittere Pillen will Brüssel deshalb auch die Erforschung von Nebenwirkungen verstärken. Die neuen Internetportale sollen, so bestätigt der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, auch dazu dienen, dass betroffene Patienten sich selbst melden können, um über unerwünschte Begleiterscheinungen zu berichten – online oder in Schriftform. Binnen zwei Jahren sollen die neuen Patienten-Informations-Portale überall verfügbar sein.

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