Main Post
Anja Weisgerber tritt für die CSU bei der Europawahl an
Mainviertel: Die Gäste fröstelt`s. Es ist nicht gerade warm an diesem Abend in einem Biergarten am Main. Doch die Leute bleiben tapfer – und warten weiter. Schließlich sind sie extra wegen ihr hierher nach Würzburg gekommen. Da kann man nicht einfach wieder gehen, nur weil einem ein bisschen kalt ist. Alle wollen sie "die Anja Weisgerber" sehen, die CSU-Kandidatin für die Europawahl am 13. Juni: 28 Jahre jung und frisch gebackene Rechtsanwältin.
Es ist 19.20 Uhr. Eigentlich sollte Anja Weisgerber seit mehr als 20 Minuten hier sein. Doch dafür hat jeder "viel Verständnis", sagt ein junger Mann mit Kinnbart: "Im Wahlkampf hat man eben jede Menge zu tun." Damit man beim Europäischen Abend der Jungen Union nie vergisst, weshalb man hier ist, liegt eine Menge Infomaterial auf einem Beistelltisch: Prospekte, Faltblätter, Wahlzeitungen und Gewürzmischungen. "Vielseitig einsetzbar" steht auf der Rückseite der weiß-blauen Päckchen: "Für Fleisch, Fisch und Käse." Vorne drauf lächelt Anja.
Kurze Zeit später lächelt die Kandidatin auch in echt. Anja ist da. Jetzt kann das Programm von "Pizza, Pasta und Politik" beginnen. Locker-flockig soll der Abend sein: Jung und dynamisch eben. So, wie die Junge Union gerne von außen wahrgenommen werden würde. Doch Anja Weisgerber ist nicht allein gekommen. Ihre Mentorin, CSU-Europaparlamentarierin Ursula Schleicher ist dabei, um ihre potenzielle Nachfolgerin zu unterstützen. Schleicher weiß, wie man Wähler überzeugt. Und so wird der Wahlkampf auch zum praktischen Unterricht für Anja.
Nein, ein Politprofi ist Anja Weisgerber (noch) nicht. Das merkt man daran, wie sie vor Publikum redet: Ein wenig unsicher, abgehackt und streng nach dem Münchner Wahlprogramm. Doch es gibt Europapolitiker, die eine weitaus schlechtere Figur machen. Anjas Auftritt vor "ihrer JU" menschelt: Statt des aufgetischten Weines trinkt die 28-Jährige lieber Früchtetee, als musikalischen Programmpunkt hat sie "eine Freundin aus Schweinfurt mitgebracht", die dann auch noch Anjas Lieblingslied singt: "Memory" aus dem Webber-Musical "Cats".
Was Anja Weisgerber zu sagen hatte, war indes nichts Neues. Man kennt es von Stoiber`schen Reden zur Europapolitik. Ein bisschen gegen Rot-Grün in Berlin wettern, ein bisschen gegen die Bürokraten in Brüssel – und nicht zu vergessen: Vehement vor einem EU-Beitritt der Türkei warnen. Vielleicht wird aus Anja Weisgerber irgendwann einmal eine große Politikerin. Fürs erste muss sie sich noch ein bisschen frei und warm laufen.