Main-Echo, 18. April 2011
Franken gehöre zu einer der schönsten Weinbauregionen in ganz Europa, sagt der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Artur Steinmann hoch über Michelbachs Weinlagen, die er als »einzigartig« einstuft. Am Freitag stellte er die Zibarte, eine Wildpflaumenart, als »Baum für Frankens Weinberge 2011« vor und pflanzte unter prominenter Mithilfe das Bäumchen im Michelbacher Apostelgarten an.Ziel der Baumpflanzaktion ist es, die Erlebnislandschaft Weinfranken noch attraktiver zu gestalten.
Alzenaus Bürgermeister Walter Scharwies freute sich, dass man den Michelbacher Weinberg ausgewählt habe. Schriftlich sei überliefert, dass schon um 1690 in den Weinbergen Obstbäume standen. Es sei davon auszugehen, dass in den Alzenauer Weinorten Hörstein, Michelbach und Wasserlos seit 1000 Jahren der Rebstock heimisch sei, der Michelbacher Apostelgarten mit seinen Steinrutschen ist gar in die Denkmalliste des Freistaates Bayern aufgenommen worden.
Die Baumpflanzaktion, die seit zwölf Jahren laufe, sei ein Segen für die Fränkische Weinwirtschaft und die Natur, bekräftigte Weinbau-Präsident Artur Steinmann. Angefangen vom roten Weinbergspfirsich über Quitte, Maulbeere, Strauchrose, Edelkastanie, Speierling oder Aprikose sorgten mehr als 10 000 Bäume und Sträucher für eine intakte Natur-Weinlandschaft. Steillagen und Trockenmauern seien prägende Landschaftsteile, die es zu erhalten gelte, so Steinmann.
Der Wein habe für Franken eine besondere kulturhistorische Bedeutung und sei ein fester Teil fränkischer Lebensart, formulierte die Schirmherrin und Europa-Abgeordnete Dr. Anja Weisgerber. Der vielfach prämierte Frankenwein habe auch international einen guten Ruf und sei ausschlaggebend für den Tourismus und das Image als Genuss-Region. Allerdings seien auf europäischer Ebene Anstrengungen vonnöten, um den Frankenwein zu schützen.
Nachdem es gelungen sei, den fränkisch-typischen Bocksbeutel zu erhalten, ginge es jetzt darum, die Aufhebung des Anbaustopps zu verhindern. Derzeit dürfe nur derjenige Wein anbauen, der Rechte besitze. Dies garantiere, dass die bestehenden Steillagen trotz Arbeitsintensität bewirtschaftet werden. Die Europa-Abgeordnete sieht es wie Weinbaupräsident Steinmann: Fällt der Anbaustopp, steigen die Winzer aus der Steillagen-Bewirtschaftung aus und bauen auf wirtschaftlich rentableren Flächen an.
Der Weinbau sei eine wichtige Säule im Genossenschaftswesen, bekräftigte Claus Jäger, stellvertretender Bezirkspräsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, weshalb man die Baumpflanzaktion unterstütze.
Ottmar Porzelt, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE), stellte lobend den Einsatz der Europa-Abgeordneten und des Arbeitskreises »Franken-Wein.Schöner.Land!« heraus. Er ging auf die Flurbereinigung im Michelbacher Weinberg ein. Michelbach mit seinen Steillagen sei ein Paradebeispiel, bei dem man mit klassischer Bereinigung nicht zum Ziel gekommen wäre. Die »gezielte« Bereinigung, mit Unterstützung der Stadt Alzenau habe es ermöglicht, die Zahl der Weinbergs-Grundstücke von rund 1 100 auf nunmehr 130 zu drücken, was eine bessere Bewirtschaftung ermögliche.