Schweinfurter Extra Blatt
Mittwochabend, halb neun im "Limes", die Tische sind blau-weiß gedeckt, die Musik aus den Siebzigern. Einigen älteren Herrschaften sind die harmonischen Töne der Live-Band 4-TEX zu laut, sie verlassen nach der ersten Talkeinheit das Lokal. Wie schon mit der Wahlveranstaltung: "Pizza, Pasta, Politik" ist es der jungen Schwebheimerin Dr. Anja Weisgerber gelungen, junge Menschen in einem adäquaten Rahmen an den runden Tisch zu bekommen. Unterstützt wurde die CSU-Kandidatin für die Europawahl von der Bayerischen Justizministerin Dr. Beate Mark. Unter dem Motto "Unsere Sicherheit im neuen Europa" gaben sich die Damen ein euphorisches Stelldichein. Es menschelt im Raum, dort sitzt der frühere Landtagsabgeordnete Willi Baumann, vielleicht der erste Mentor der jungen Weisgerber, dort sitzen Freunde und Familienangehörige, drücken die Daumen, jung, dynamisch und positiv stellen sich die beiden Juristinnen dem neuen Europa, sehen mehr Chancen als Risiken. Die 28-jährige Rechtsanwältin und im Mittelstand erfahrene Weisgerber (Gewürzhandel) erklärt die Exportmöglichkeiten, die sukzessive Anhebung der Sozial- und Umweltstandards in den neuen Beitrittsländern und den stetigen Abbau dieser anfänglichen Wettbewerbsvorteile durch dort steigende Löhne, wird von der jungen Justizministerin unterstützt.
Dennoch möchten die beiden Sorgen und Ängste der Bürger über die neue EU Osterweiterung ernst nehmen. Mit der Aufnahme von 70 Millionen neuen Menschen könne man dem Wunsch der 70 Millionen Türken erstmals nicht nachkommen, signalisieren sie. Nach dem Motto "Mit den Füßen in der Gemeinde, mit dem Ohr beim Menschen" begrüßt Dr. Beate Merk die Entscheidung Weisgerbers, sich auch zukünftig für die Belange ihrer Heimatgemeinde einzusetzen. Natürlich wird an diesem Abend auch über Rot-Grün grün gewettert, über die Bürokratie in Brüssel geschimpft.
Plötzlich wird es unruhig im Lokal, so einseitig habe man sich eine Politrunde nicht vorgestellt, die Gäste möchten Fragen, die ihnen auf den Nägeln brennen, beantwortet bekommen. Das Mikrofonkabel ist zu kurz, die Fragen schlecht zu verstehen. Der zweite Bürgermeister von Maroldsweisach und JU-Bezirksvorsitzende Steffen Vogel, der die Moderation an diesem Abend übernommen hat, bittet die Gäste nach vorne.
Das Frage- und Antwortspiel beginnt. An diesem Abend muss Dr. Anja Weisgerber nicht begründen, warum sie trotz ihres jugendlichen Alters für das Amt im Europaparlament geeignet sei, doch bei der Anfrage einer sechsfachen Mutter nach Unterstützungsplänen für Familien wären beide Damen besser beraten gewesen, genauer zuzuhören. Zum Abschluss gab`s Boxhandschuhe und Blumen, Motivation und Dank für die Frauen, die sich selber als unverbraucht bezeichnen. Der Kabarettist von der Schwarzen Elf, Ludwig Paul, hatte dem Ganzen noch ein musikalisches Schmankerl zuzusetzen