Anwältin mit Herz für unsere Heimat
Dafür stehe ich: Zuhören und Kümmern
Der Motor stottert: Wirtschaft ankurbeln
Migration begrenzen, Sicherheit stärken
Gesundheit und Pflege für alle sichern
Landwirtschaft stärken, Heimat lieben

Die Rübe behauptet ihre Position

Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt, 16. Juli 2010

Noch verlieren sich die Besucher der Generalversammlung des Verbands Fränkischer Zuckerrübenbauer (VFZ) nicht in den Mainfrankensälen, auch wenn inzwischen etliche Plätze leer bleiben. Dieses sichtbare Zeichen für den Strukturwandel im fränkischen Zuckerrübenanbau unterlegte der VFZ-Vorsitzende Dr. Jochen Fenner mit Zahlen. Doch trotz der Rückgänge bei Anbauern und Fläche, trotz der Belastungen durch die Reform der Zuckermarktordnung, habe „die Zuckerrübe ihre hervorragende Stellung in den Ackerbaubetrieben behauptet“. Mit dem Wort „hervorragend“ ließ sich auch die Vorjahresernte zusammenfassen: ein absolutes Rekordjahr mit bisher nicht für möglich gehaltenen Erträgen von 76,6 Tonnen pro Hektar bei einem Zuckergehalt von 18,69 Prozent (Vergleich zehnjähriger Durchschnitt: 62,2 Tonnen/Hektar, Zuckergehalt 18,32 Prozent). Die Kehrseite dieses Segens zeigte sich einerseits in der überlangen, nämlich 124 Tage dauernden Kampagne, „die größte Herausforderungen an die Logistik“, vor allem für die erstmalig aktive LMG Ochsenfurt, gestellt habe. Zum anderen galt es, die riesigen, nicht eingeplanten Zuckermengen zu handeln und zu vermarkten. „Dass dies einigermaßen gelang, verdanken wir unter anderem der im letzten Augenblick politisch durchgesetzten Erhöhung der Exportmengen für den Weltmarkt.“

Vom Exporteur zum Importeur

Doch Fenner verwies auch auf weitere Fakten, die der Politik zu verdanken seien: dass nach wie vor eine Produktionsabgabe auf Zucker erhoben werde – „jährlich 160 Millionen Euro, denen keinerlei zuckerspezifische Ausgaben der EU gegenüber stehen und die im allgemeinen EU-Haushalt verschwinden“; dass Ähnliches mit den nicht verbrauchten Mitteln aus dem Umstrukturierungsfonds in Höhe von mehreren 100 Millionen Euro drohe, die von den Zuckerunternehmen eingezahlt wurden und nun nicht unbedingt in den Zuckersektor zurückfließen sollen. Und wie es um die Rückgewährung der von 2001 bis 2006 zu viel gezahlten Produktionsabgabe stehe, deren vollständige Rückerstattung die Zuckerwirtschaft auf dem Klageweg einfordert, sei ebenfalls fraglich. „Es zeigt sich, dass es immer schwieriger wird, unsere Anliegen politisch durchzusetzen, da nur noch in 18 der 27 EU-Staaten Zucker produziert wird und 75 Prozent der Menge in nur sechs Mitgliedstaaten“, machte Fenner deutlich.

Kein Wunder also, dass das Thema für die aktuelle Veranstaltung „EU mit Zucker + Rüben in Franken verwurzelt“ lautete, mit dem ausgedrückt werden sollte, dass die Zuckerwirtschaft in der Region lange zurückreichende Wurzeln hat, „aber auch für die Zukunft im internationalen Konzern gerüstet ist“, so der VFZ-Vorsitzende weiter. Seine Forderung: „Die Neugestaltung der EU-Marktordnungen soll und muss auch für Rübe und Zucker verlässliche Perspektiven bieten!“

Mit der Europaabgeordneten Dr. Anja Weisgerber sprach eine Kennerin dieser Abläufe über die „Entscheidungswege europäischer Politik auf neuer Basis“. Bezüglich der Situation auf dem Zuckermarkt erinnerte sie daran, dass eine Kürzung für Aktive um fünf Prozent ebenso wie die Exporterhöhung 2009 und der Diversifizerungstopf, aus dem Bayern 11 Millionen Euro bekommt, als Erfolg gewertet werden müssen. Zudem versprach die EU-Parlamentarierin, sich für eine Übergangsfrist einzusetzen, „damit Sie noch einmal von Garantiezahlungen über das Jahr 2014 hinaus profitieren“. Die Referentin informierte nicht nur über die Einflussmöglichkeiten in Brüssel, sie forderte die Versammlung auch dazu auf, diese zu nutzen.

Der zweite Referent des Tages war Thomas Kölbl, Finanzvorstand der Südzucker AG. Er informierte über aktuelle Themen und Herausforderungen der Südzucker-Gruppe, die mit Zucker 55 Prozent des Gesamtkonzernumsatzes von 5,7 Milliarden Euro (2009/10) mache. Beim Segment Zucker rechne der Konzern, in Europa die Nummer eins auf dem Markt, mit einem nochmaligen und nachhaltigen Anstieg des operativen Ergebnisses. „Zucker wird das Stammgeschäft bleiben.“ Sein Fazit, bezogen auf alle Segmente (Zucker, Spezialitäten. CropEnergies und Frucht): „Wir sind zurück auf der Erfolgsspur.“

Bereits vor den beiden Referaten waren die Formalien abgehandelt worden: Verbandsbeitrag und Kostenstruktur befinden sich laut Geschäftsführer Dr. Klaus Ziegler im Gleichgewicht, eine Beitragserhöhung sei derzeit nicht geplant. „Auf Deutsch gesagt: Es ist alles in Ordnung. Die Geschäftsstelle schaut positiv in die Zukunft, auch wenn aktuell noch ein gewaltiger Überschuss aus 2009 drückt“.