SonntagsAnzeiger, 24. August 2008
Die Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber sieht sich als „Anwältin für Unterfranken“
Schweinfurt (red). Als „Anwältin für Unterfranken in Brüssel“ versteht sich die Schwebheimer Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber. So ist auch der Prospekt der Rechtsanwältin überschrieben, in dem sie ausführlich ihre Arbeit in den Parlamenten in Brüssel und Straßburg beschreibt.
Es ist ihr wichtig in eben jenen Tagen, in denen sich alles auf Landtags- und Bundestagswahlen konzentriert, auch auf die Arbeit des Europaparlamentes hinzuweisen. Immerhin wird auch dieses Gremium am 7. Juni 2009 neu gewählt. Da diese Wahl inmitten der Pfingstferien liegt, sei es besonders wichtig, die Bürger dafür zu mobilisieren, erklärte Anja Weisgerber vor der Presse. Dabei zog sie auch Bilanz über ihr vierjähriges Wirken im Parlament. Dort sitzt sie in den Ausschüssen für Umwelt, Binnenmarkt/ Verbraucherschutz sowie Sozial- und Beschäftigungsfragen. Sie kann somit in rund 80 Prozent aller das Europaparlament betreffenden Fragen mitreden.
Vorzeigbare Erfolge
So wurde in ihrer ersten Legislaturperiode die umstrittene Sonnenscheinschutzrichtlinie verhindert, nach der Bauarbeiter nur noch unter Sonnenschirmen hätten arbeiten dürfen. Eine Maßnahme, die sie für südeuropäische Länder durchaus für angebracht hält, nicht aber im weniger sonnenreichen Mittel- und Nordeuropa. Die Weinmarktreform hat auch für die Zukunft den fränkischen Bocksbeutel unter besonderen Schutz gestellt und auch der Landkreis Schweinfurt wird von europäischen Fördermitteln direkt profitieren, denn für die Zeit bis 2013 ist er Leader-Region geworden. Auch bei der Hygiene-Verordnung konnte Anja Weisgerber erreichen, dass die fränkischen Metzger auch weiterhin nach traditionellem Verfahren Fleisch und Wurst herstellen können. Als Erfolg wertet die junge Abgeordnete auch die Freigabe von Werksdaten für Kfz-Reparaturen. Damit wurde die Wettbewerbsfähigkeit kleiner Werkstätten gestärkt.
Desweiteren kämpft sie für strengere Abgasnormen bei Lkws und sie sucht nach Möglichkeiten, den Kampf gegen Krebserkrankungen weiter zu verbessern.
Die Abgeordnete ist sich dabei durchaus bewusst, dass sich viele Menschen eher „weniger Europa“ wünschen. Der Überregulierung Einhalt zu gebieten ist deshalb bei allen Überlegungen ein wichtiges Argument. Um immer auch den Finger an des Volkes Puls zu haben, unterhält sie neben ihren Büros in Brüssel und Straßburg auch ihren Stammsitz in Schwebheim. Sie will immer wissen, was an der Basis los ist und hat aus diesem Grund trotz ihrer langen Reisen ihr Gemeinderats- und Kreismandat nicht aufgegeben. In Bürgersprechstunden und Versammlungen möchte sie gerne von interessierten Bürgern angesprochen werden, um ihre Mission Europa für jeden verständlich voranzubringen.
Dass Europa Regierungen zu nichts zwingen kann, zeige das Beispiel Dosenpfand. Der Umweltschutz werde zwar vom Europaparlament vorangetrieben, die Umsetzung bleibe aber bei den Nationalregierungen. Und da habe sich die damalige Bundesregierung eben für diesen Weg entschieden.