Frankenpost, 22. August 2008
Vorschriften - Auch kleine Metzgereien wie die von Rudolf Völkel brauchen ab dem 1. Januar 2010 die EU-Zulassung. Europaabgeordnete macht Betroffenen Mut.
Weißdorf - Der 1. Januar 2010 ist für Metzger ein ganz besonderes Datum. Auch der kleine Fleischer, der in seinen Räumen noch selbst schlachtet, braucht dann die EU-Zulassung - genauso wie Großbetriebe und Schlachthöfe. Ein Umstand, der bei vielen kleineren Betrieben für helle Aufregung gesorgt hat und sorgt.
Rudolf Völkel betreibt in Weißdorf eine solche kleine Metzgerei. Jeden Montag schlachtet er sechs Schweine. Noch. Auf jeden Fall bis zum 31. Dezember 2009. Ob Völkel allerdings die EU-Zulassung beantragt, darüber ist er sich noch unschlüssig. Wie viele seiner Kollegen fürchtet er, dass durch weitere Vorschriften und noch "mehr Bürokratie die Wirtschaftlichkeit von kleinen Betrieben, die ohnehin stark mit der billigeren Konkurrenz in den Supermärkten zu kämpfen haben, ein weiteres Stück verloren geht.
Viel Ermessensspielraum
Dr. Anja Weisgerber, gesundheitspolitische Sprecherin der CSU im Europäischen Parlament, versuchte bei einem Besuch in Weißdorf die Bedenken von Völkel und seinen Kollegen zu zerstreuen: „Ich habe mich in der gesamten Diskussion dafür eingesetzt, dass die Prämisse gelten muss, dass Betriebe, die die alten Hygienevorschriften ordentlich erfüllt haben, auch in Zukunft Erzeugnisse in den Verkehr bringen dürfen", sagte Dr. Weisgerber bei ihrem Besuch, an dem auch der CSU-Landtagskandidat Martin Schöffel, der Wunsiedler Landrat Dr. Karl Döhler als Bezirkstagskandidat, der Weißdorfer Bürgermeister Herbert Gebhardt, Gemeinderat Richard Stöcker und Bezirkstagskandidat Reinhold Rott teilnahmen.
Für den Weißdorfer Betrieb sieht die Europaabgeordnete keinerlei Probleme, die EU-Zulassung zu erhalten: „Der neue EU-Hygiene-Pakt enthält viel Ermessensspielraum. Für Sie und für viele Ihrer Kollegen sind die neuen Vorschriften an und für sich nichts Neues", sagte Anja Weisgerber zu Rudolf Völkel. Als Beispiel nannte sie, dass es in der Weißdorfer Metzgerei - wie gefordert - zwei Räume zum Schlachten und Zerlegen gebe. Aber auch Ein-Raum-Schlachtungen seien in Zukunft möglich, erläuterte die Fachfrau. Dr. Karl Döhler berichtete, dass es künftig sehr wohl die Möglichkeit gebe, die Vorschriften so umzusetzen, dass regionalen Besonderheiten Rechnung getragen werden könne und gleichzeitig die Lebensmittelsicherheit auf hohem Niveau gehalten werde. Die Landratsämter seien jederzeit bereit, die Metzger zu unterstützen, wenn es um die EU-Zulassung geht.
Landtagskandidat Martin Schöffel und Bürgermeister Herbert Gebhardt unterstrichen, dass in der Region verwurzelte Betriebe wie die Metzgerei Völkel oder die Bäckerei Buchta, die anschließend noch besucht wurde, für eine Gemeinde wie Weißdorf von großer Bedeutung seien.
Rasch beantragen
„Wir wollen mit unserem Be¬such einmal deutlich machen, dass wir im Bereich der Lebensmittel mit guten Metzgereien und Bäckereien echte Werte in unserer Heimat haben. Er sprach sich ferner dafür aus, dass Verbraucher, Landwirte, Metzger und Wirte noch enger zusammenrücken. „Davon können wir alle profitieren. Da ist alles transparent. Da weiß man, von welchem Bauern das Schwein kommt", sagte der CSU-Politiker.
Nach einer Brotzeit klang auch Rudolf Völkel wieder ein wenig optimistischer: „Wir können es ja mal probieren mit der EU-Zulassung. Ich hab' in meinem Leben schon immer alles probiert." Dr. Anja Weisgerber hörte das gerne. Sie hofft, dass möglichst viele Fleischer so denken wie er. Sie rät den Metzgern die EU-Zulassung rechtzeitig zu beantragen, denn noch sei Zeit - fast eineinhalb Jahre bis zu diesem 1. Januar 2010.