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Die Frauenquote als „Stups“ für die CSU

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06. Oktober 2010

„Endlich bewegt sich etwas in der CSU“, sagt Jessica Euler, als sie nach der Frauenquote gefragt wird, die jetzt auch in der CSU beschlossen werden soll. Der Aschaffenburger Stadträtin und Vorsitzenden der Frauen-Union entfährt bei diesem Thema erst einmal ein Seufzer. Zwar wolle keine Frau mit Hilfe einer Quote in politische Verantwortung kommen. Doch die Realität habe gezeigt, dass sich die CSU in der Vergangenheit schwer damit getan habe, Frauen zu fördern, sagt Euler. Die Quote von 40 Prozent für den Landesvorstand und die Bezirksvorstände, auf die sich der CSU-Vorstand am Montag als Kompromiss geeinigt hat, hält sie für einen ersten Schritt zu mehr Teilhabe der Frauen am politischen Leben innerhalb der CSU.

Euler zufolge kommen junge, gut ausgebildete und kinderlose Frauen in der Partei durchaus gut voran. Das Problem stellt sich nach ihren Angaben für Frauen, die eine Familie gründen, kleine Kinder haben und womöglich noch berufstätig sind. Diese seien gefangen im Spagat von Kindern, Beruf und politischem Engagement, sagt Euler, die als berufstätige Mutter weiß, wovon sie spricht. Es fehle dann einfach die Zeit zum „nachhaltigen Networking“. „Und dann teilen die Männer die Posten untereinander auf“, sagt sie.

(...)

Die Bezirksvorsitzende der Frauen-Union Unterfranken, Anja Weisgerber, bekennt, früher keine Befürworterin der Quote gewesen zu sein. Doch die Politikerin, die mit 28 Jahren ins Europaparlament gewählt wurde und in Michael Glos sowie Edmund Stoiber gewichtige Förderer hatte, ist zu der Überzeugung gelangt, dass die CSU „diesen Stups“ und „sanften Druck“ brauche. „Ohne verbindliche Regelung geht es nicht“, sagt sie. Denn trotz aller Appelle und Zielvorgaben sei der Anteil von Frauen mit Abgeordnetenmandat seit 2002 sogar unter die 20-Prozent-Marke gesunken. In den Orts-, Kreis- und Bezirksvorständen sieht es mit der Geschlechterparität noch düster aus. Weisgerber zufolge sind nur zehn Prozent der Vorsitzenden Frauen. Auf die Kritik von Gegnern der Quote, wonach Frauen nicht 40 Prozent der Mandate fordern könnten, wenn sie nur 20 Prozent der Mitglieder stellten, entgegnet sie: „Wir sollten uns nicht damit abfinden, dass der Frauenanteil in der CSU so niedrig bleibt.“ Für sie ist die Quote „das Mittel zum Zweck“, das Verantwortliche vielleicht dazu bewegen könnte, auch in den Orts- und Kreisverbänden zu überlegen, wie man Frauen fördern könne.

Weisgerber zitiert aus Untersuchungen, wonach Frauen angesprochen werden wollten. „Man muss Frauen auch Mut machen“, sagt sie. Dazu dient auch das Mentoring-Programm, das sie im vergangenen Jahr in Unterfranken initiiert hat. Es will Frauen das Rüstzeug vermitteln, das für eine erfolgreiche politische Arbeit notwendig ist.

Weisgerber selbst erinnert sich noch gut daran, welche Skepsis ihr bei ihrer Kandidatur mit 27 Jahren entgegen schlug. „Da braucht man Leute, die man um Rat fragen kann. Denn Politik ist auch ein Haifischbecken“, sagt die Politikerin, die heute sogar Auftritte in Bierzelten nicht mehr nervös machen.

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