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„Die Europäische Union ist ein Friedenswerk"

Freitag

Dr. Ingo Friedrich beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Wiesentheid

Wiesentheid (AST) Mit dem Vizepräsidenten des Europa-Parlaments, Dr. Ingo Friedrich, hatte der CSU-Kreisverband einen absoluten Fachmann zur Europa-Politik eingeladen. Seit 1979 gehört der Diplom-Volkswirt dem Europäischen Parlament an. Friedrich äußerte sich unter anderem auch dazu, warum ein Beitritt der Türkei zur Europäischen Union derzeit „unverantwortlich" sei.

Der Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Wiesentheid, Dr. Werner Knaier, begrüßte die etwa 200 Gäste in der Steigerwaldhalle.

Dr. Friedrich, der Hauptredner des Abends, kam gleich zur Sache. Er sah die Europäische Union mit den zum 1. Mai beitretenden zehn Staaten „am Rande der Überforderung, finanziell, organisatorisch und auch von den Sprachen her". Die Integrationsfähigkeit Europas würde überdehnt durch einen Beitritt der Türkei. Das riesige Land, das an Krisenherde wie Irak und Syrien grenze, habe „40 Millionen ärmste anatolische Landwirte. Wer soll das bezahlen? Es geht für absehbare Jahrzehnte nicht", bekräftigte der Redner.

Eine spätere Erweiterung der EU in fünf oder zehn Jahren sei laut Friedrich einfacher gewesen. Jedoch sei die laufende Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Langfristig würde man auch in Deutschland davon profitieren. Zu Franken sagte der EU-Politiker, dass die Region wieder in eine europäische Mittellage komme, in der sie einmal war.

Zum Thema Islam führte er an, dass islamischer Religionsunterricht in Deutschland nur in deutscher Sprache gehalten werden dürfe. Außerdem müsste auch die Türkei den Bau von christlichen Gotteshäusern zulassen, forderte er.

Friedrich warf die Frage auf, warum man im 21. Jahrhundert überhaupt Europa brauche und gab die Antwort: Das vereinte Europa sei ein „Friedenswerk". Die Erweiterung um zehn Staaten stelle eine Herausforderung dar. „Die Welt ist so klein geworden, dass in vielen Bereichen nationale Gesetze nicht ausreichen", gab er zu bedenken. Das Tempo der Veränderungen werde immer schneller. Europa sei zudem der Versuch, menschenwürdig die Dinge zu regeln, die national nicht mehr zu regeln seien.

Einige Seitenhiebe zur aktuellen Politik der Rot-Grünen Regierung verteilte Friedrich. Eine Pleite jage die andere im Land, man müsse „aufräumen, damit es in Deutschland wieder vorwärts geht".

Die Europawahlen im Juni bezeichnete er als eine „Richtungswahl". Im Anschluss stellte sich die neue Kandidatin für das europäische Parlament, Dr. Anja Weisgerber, kurz vor. Sie tritt als Nachfolgerin für Ursula Schleicher an. „Ich möchte für Sie eine Brücke schlagen", sagte sie. Und weiter: „Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland und die Europäische Union unsere Zukunft".