Mainnetz, 6. März 2010
Frauenunion startet Mentoring-Programm - Gestandene CSU-Politikerinnen geben ihr Wissen an Nachwuchshoffnungen weiter
Giebelstadt Die CSU ist eine Volkspartei - aber eine Frauenpartei ist sie nicht. Das soll sich ändern. Auf dem Parteitag im November wird, wenn es nach dem Willen der bayerischen Frauenunions-Chefin Angelika Niebler geht, eine Frauenquote von 40 Prozent für alle Parteigremien beschlossen. Doch dafür braucht man geeignetes Personal.
Frauenpower (von links): Henriette Zimmer aus Aschaffenburg, Marianne L’Alinec-Rittler aus Alzenau, Katharina Frucht aus Schöllkrippen, Katharina Göbel aus Sulzbach, Initiatorin Anja Weisgerber und Lisa Berninger aus Erlenbach am Main waren am Freitag bei der Auftaktveranstaltung des Mentoring-Programms in Giebelstadt.
Niebler hat vor fünf Jahren in Oberbayern ihre Idee eines Mentoring-Programms umgesetzt. Eine gestandene CSU-Politikerin (Mentorin) bekommt einen Schützling (Mentee), dem sie das politische Tagesgeschäft zeigt. Anja Weisgerber, Frauenunions-Chefin in Unterfranken, hat das Programm jetzt für ihren Bezirk umgesetzt.
Am Freitagabend war in Giebelstadt die Auftaktveranstaltung für das Projekt: 13 Mentorinnen kümmern sich um 14 Mentees. Im November wird Bilanz gezogen. An dem Projekt wirken unter anderem Vize-Generalsekretärin Dorothee Bär, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die Bürgermeisterinnen von Stadtprozelten und Geiselbach, Claudia Kappes und Marianne Krohnen, sowie die Aschaffenburger Vize-Landrätin Andrea Lindholz mit.
Wer annimmt, dass es sich bei den Mentees überwiegend um ehrgeizige Jura-Studentinnen handelt, liegt daneben. Die jüngste Teilnehmerin ist 19, die Älteste 49. Es sind Ingenieurinnen, eine Hausfrau, Selbstständige, Vertreterinnen sozialer und technischer Berufe, eine Juristin, zwei Lehramts-Studentinnen und eine BWL-Studentin. Eine CSU-Mitgliedschaft war keine Voraussetzung für die Teilnahme an dem Projekt.
Frauenanteil in CSU bei 18 Prozent
Die CSU hat Handlungsbedarf, Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im aktuellen Bundestag sind laut »Statista.com« 19 Prozent der CSU-Abgeordneten weiblich. Damit sind die Christsozialen klar abgeschlagen. Die anderen Parteien ohne Frauenquote bringen es auf immerhin 21 Prozent (CDU) und 24 Prozent (FDP). Quotenbedingt stehen SPD (35 Prozent), Grüne (56 Prozent) und Linke (49 Prozent) frauenfreundlich da.
Nicht besser kommt die CSU weg, wenn man den Frauenanteil der Parteimitglieder unter die Lupe nimmt. Das Magazin »Focus« hat ermittelt, dass keine Partei so wenige weibliche Mitglieder hat wie die CSU (18 Prozent). Selbst die Schwesterpartei CDU kommt auf 25 Prozent, Spitzenreiter sind die Linken mit 38 Prozent, knapp gefolgt von den Grünen mit 37 Prozent.
Problem erkannt, Problem noch nicht gebannt: »Wenn wir unserem Anspruch, eine moderne Volkspartei sein zu wollen, gerecht werden wollen, müssen wir uns bewegen«, sagt der unterfränkische CSU-Vorsitzende Michael Glos in Bezug auf die Frauenpolitik seiner Partei.
Auch im bayerischen Landtag sieht es mau aus: »Der Frauenanteil im Landtag ist gestiegen, aber nicht durch die CSU«, sagt Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie selbst habe Karriere in der Partei gemacht - »aber es war hart«, so Stamm. »Über die Liste wurde ich oft nicht reingelassen«, schildert sie offen ihre Erfahrungen. »Wir müssen zusammenhalten und unsere Netzwerke ausbauen«, ermuntert die Gegnerin von Frauenquoten die Nachwuchspolitikerinnen im Saal. Der Anfang ist gemacht.