Saale-Zeitung, 8. August 2008
Bürgermeister Wolfgang Back wirbt bei EU-Abgeordneter Weisgerber für Hochwasserprojekt
Bad Bocklet. Wenn schon mal eine Europaparlamentarierin in Bad Bocklet weilt, kann sich Bürgermeister Wolfgang Back natürlich nicht entgehen lassen, mit ihr über etwas zu sprechen, was ihm am Herzen liegt und wovon sie zuvor noch nichts gehört hatte: Über den geplanten oder vielmehr gewünschten Hochwasserstausee zwischen Bad Bocklet und Hohn.
Aber routiniert machte sich die 32jährige Anwältin Dr. Anja Weisgerber sofort kundig, telefonierte mit dem Wasserwirtschaftsamt, dem Landratsamt und war binnen relativ kurzer Zeit gespickt mit Informationen über das Projekt, so dass ihr Handy unmittelbar danach schlapp machte. Back freute sich, von der CSU-Europaabgeordneten zu hören, dass sie sich als Umweltpolitikerin mit den europäischen Fördertöpfen besonders gut auskennt. Einen Leitfaden dazu hatte sie ihm gleich mitgebracht.
Weisgerber berichtete, mit der neuen Förderkulisse der Europäischen Union hätten sich auch für Unterfranken seit 2007 neue Chancen ergeben. Seither könnten EU-Strukturfördermittel aus dem Regionalfonds in ganz Unterfranken eingesetzt werden, was bisher nur in strukturell schwächeren Gebieten möglich war. Um diese neuen Chancen zu nutzen, stelle sie die Förderprogramme in ihrem Leitfaden vor.
Problem Kofinanzierung?
Für Kommunalpolitiker kann das hilfreich sein, wenngleich Back anmerkte, dass vor Ort weniger die mangelnde Kenntnis der Politiker über die EU-Förderprogramme der Regional-, Sozial-, Forschungs- und Landwirtschaft das Problem sei, sondern dass deren Abrufung meist an der notwendigen Kofinanzierung scheitere, sprich, die EU fördert nur, wenn die Kommunen (oder andere Institutionen) die andere Hälfte aufbringen. Die Kofinanzierung aber nannte Weisgerber schon deswegen richtig, weil damit gewährleistet sei, dass man vor Ort hinter dem jeweiligen Projekt steht.
Aufwertung für Region
Ein solches Projekt könnte der Bad Bockleter Hochwasserspeicher sein, sofern eine touristische Nutzung mit ihm verknüpft werden könnte, hofft Back. Vor Jahr und Tag noch politisch unerwünscht, in den 80er Jahren unter ausschließlichem Hochwasserrückhalteaspekt gar am Widerstand der Bevölkerung gescheitert, häufen sich inzwischen die Stimmen, die ein Speichersee mit touristischer Nutzung als immense Aufwertung der Region bezeichnen. Auch Back sieht das mittlerweile so. Und er ist sich sicher: „Die Bevölkerung will den See auch.“ Notfalls werde er noch Überzeugungsarbeit leisten.
Studie liegt im Herbst vor
Auf vielen Ebenen habe er bereits ganz konkrete Kontakte geknüpft, und von vielen Seiten, nicht zuletzt aus dem Bayerischen Landtag habe er durch Robert Kiesel Unterstützung signalisiert bekommen, berichtete er Weisgerber. Um an Fördermittel zu kommen, überlegt Back, dass ein solcher See Impulse geben könnte in Sachen Arbeitsplätze, dass er vielleicht sogar für Wasserkraft und anderes interessant wäre.
Ein Anruf Weisgerbers beim Wasserwirtschaftsamt aber ließ sie zurückkehren an den Gesprächstisch mit der Information, dass derzeit eine Studie in Arbeit sei, um eine Kosten-Nutzen-Ermittlung aufzustellen. Die würde voraussichtlich im Herbst vorliegen, und erst dann, wenn sie einen solchen See als realisierbar einstuft, könne man daran gehen und über Finanzierung und Fördertöpfe nachdenken und Sprechen. Jedenfalls gab sie sich als Ansprechpartnerin für Back, wenn es denn soweit wäre.
Bis dahin will Back weiterhin alles tun, damit ein See im Falle des Falles Unterstützung fände, nicht nur ideelle, sondern vor allem auch finanzielle Unterstützung. Denn schließlich ist die Region ja mehr als nur Bad Bocklet oder der Landkreis Bad Kissingen.