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Der Wein ist ein Faktor im Kreis

Fränkischer Tag, 21. August 2008

MEINUNGSAUSTAUSCH Die Europaabgeordnete Anja Weisgerber informierte die Winzer in Zell.

Zell - Unter dem Motto „Wirtschaftsfaktor Wein" hatte die CSU Haßberge alle Winzer und an Wein interessierte Bürger zu einem Meinungsaustausch mit der Europaabgeordneten Dr. Anja Weisgerber nach Zell in die Heckenwirtschaft von Tanja und Peter Götz eingeladen. Dr. Weisgerber hatte für die deutsche Seite die Weinmarktreform mitverhandelt und zum Entwurf der EU-Kommission 30 Änderungsanträge eingebracht.
Initiator Steffen Vogel erklärte, welche Bedeutung der Weinbau im Landkreis als Wirtschafts- und Kulturfaktor habe. „80 Winzerfamilien bauen teils hauptberuflich, teils im Nebenerwerb Wein auf einer Rebfläche von um die 100 Hektar an", so Vogel. Neben dem reinen Weinbau stellten Verkauf und Selbstvermarktung über die Heckenwirtschaften ein Markenzeichen dar, den es für den Tourismus stärker zu fördern gelte, sagte er.

Zentrale Fragen geklärt
Ein Thema des Vortrags von Weisgerber war die „Krisendestillation" von überschüssigem, oft minderwertigem Wein aus Südeuropa. Diese habe gekippt werden können, und davon profitierten die deutschen und fränkische Weinbauern, weil bereits 95 Prozent der in Deutschland produzierten Weine Qualitätsweine seien, so Weisgerber..
„Deutschland wird zukünftig dadurch mehr Geld für die Förderung des Weinbaus aus Brüssel bekommen", erläuterte die EU-Abgeordnete, die 38 Millionen Euro ab 2012 versprach - eine Verdoppelung. Für die fränkischen Weinbauern wäre dies eine Steigerung von 800 000 jährlich auf 2,3 Millionen Euro.
Wichtig sei, dass die Förderung nach der Neigung der Weinberge gestaffelt werde, so dass die Steillagen in Franken profitieren. Auch wollte die EU-Kommission die Saccharose-Anreicherung verbieten, was Weisgerber verhinderte: So kann der Wein bei der alkoholischen Gärung angereichert werden; für die fränkischen Winzer mit ihren trockenen Weinen ein wichtiges Anliegen. Ebenfalls verhindert werden konnte das Verbot, der Qualitätsweinstufen nach deutschem Muster wie die Aufführung der Hanglagen auf dem Etikett. Weisgerber berichtete von den Auseinandersetzungen zum Schutz des Bocksbeutels. In der Diskussion wurde deutlich, dass sich die Winzer eine stärkere Verzahnung von Wein und Tourismus unter Einbeziehung der Gastronomie wünschen. Winzer und Gastronomen müssten sich mehr als Partner, denn als Konkurrenten fühlen, hieß es, um die Region voranzubringen. Die Politik sei gefragt, die Vermarktung der Region stärker zu unterstützen. Der stellvertretende Landrat Siegmund Kerker informierte, dass beim Leader-Programm des Kreises Wein und Tourismus eine wichtige Rolle spielten: „Wir streben eine gezielte gemeinsame Vermarktung an, ebenso wie die Errichtung einer gemeinsamen Vinothek, da im Bereich Wein und Tourismus noch viele Potenziale hegen."