Haßfurter Tagblatt, 10. Dezember 2012
Wirtschaftskrise und Straßenschlachten, Staatsinsolvenz und Eurobonds – seit Monaten dominiert die Krise die Europäische Union. Ist das nun eine Eurokrise oder doch bereits eine Europakrise. Dieser Frage ging der Wissenschaftler Peter Bauch in einem Vortrag nach, zu dem die Europa-Direkt-Stelle und die Europa-Union Unterfranken in Haßfurt eingeladen hatten.
In den einführenden Grußworten des stellvertretenden Landrats Siegmund Kerker und der Europaabgeordneten Dr. Anja Weisgerber betonten beide Redner die Wichtigkeit, für die europäische Idee einzustehen und in diesen Zeiten zusammenzuhalten. In diesem Zusammenhang hob Kerker auch die kommunalen Partnerschaften des Kreises als wichtigen Baustein hervor.
Weisgerber schätzte das Engagement des Landkreises in Europafragen. Sie plädierte für mehr Europa, da nationale Lösungen nicht ausreichen. Der Fiskalpakt zeige erste Wirkung, Irland sei auf dem Weg der Besserung, Griechenland bleibe ein Sorgenkind. Doch im Gegensatz zu früher habe die EU nun Sanktionsmöglichkeiten um auf Staaten einzuwirken.
Der Referent Peter Bauch betonte zu Anfang seines Vortrages, dass eigentlich der Euro keine Krise habe. Die Währung sei stark, das werde oft verkannt. Die Inflationsrate der letzten zehn Jahre Euro sei niedriger als in den letzten zehn Jahren D-Mark. Das Problem der gemeinsamen Währung liege darin, dass man bei der Entstehung keine wirksamen Mechanismen eingebaut hat, um nationale Alleingänge zu verhindern. Griechenland sei in den 90er Jahren auf dem Weg in den Dritte-Welt-Status gewesen. Der Euro ist dann genutzt worden, um das Land finanziell völlig neu aufzurüsten.
Die Eurokrise werde noch Jahre andauern. Mit den Rettungspaketen kaufe man letztlich nur Zeit. Es sei unrealistisch zu glauben, die kranken Staaten könnten innerhalb weniger Jahre wettbewerbsfähiger werden. Die deutsche Einigung zeige ja, welchen Aufwand es koste, ein herunter gewirtschaftetes Land wieder aufzurichten.
Die Eurokrise sei zu meistern durch eine wirkungsvolle Begrenzung der Schulden, durch eine leistungsstarke Bankenaufsicht – die nur über Europa gehe – und die Beeinflussung der schwachen Staaten. Eine ständige Finanzierung dieser Problemländer überfordere den einzigen Starken, nämlich Deutschland, auf Dauer. Dennoch glaubt Bauch an wirtschaftliche Lösungswege, die über schwierige Kompromisse gefunden werden müssen.
Eine komplizierte Frage sei es, wie der gesamte südeuropäische Raum wettbewerbsfähiger werden kann. Frankreich habe jeden zweiten Arbeitsplatz im Export verloren, Spanien hat eine Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent. Das sei weit mehr als die Quote, die Deutschland in der Endphase der Weimarer Republik aufwies. Neue Strukturen sind aufzubauen. Doch Italien gönne sich zurzeit eine Reformpause, Griechenland sei praktisch regierungsunfähig.
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