Saale Zeitung
Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber besuchte das Klinikum Bad Bocklet - Auf dem richtigen Weg
Bad Bocklet. Einen Arbeitsbesuch stattete Dr. Anja weisgerber, Mitglied des Europäischen Parlaments, dem Rehabilitations- und Präventionszentrum Bad Bocklet ab und informierte sich vor Ort beim Geschäftsführer des Rehazentrums, Harald Barlage, und beim ärztlichen Direktor, Privatdozent Dr. Eckard Friedel, über die medizinische Entwicklung.
Dr. Anja Weisgerber ist unter anderem gesundheitspolitische Sprecherin der CSU-Europagruppe und kümmert sich im Rahmen der Volksgesundheit um Programme und Aktionen im Bereich öffentliche Gesundheit, sowie um Prävention und Kontrolle von Krankheiten. Die Entwicklung der Rehabilitation stellte Harald Barlage am Beispiel der Bad Bockleter Rehaklinik, von der Blütezeit in den 80er und 90er Jahren ebenso dar, wie den Niedergang der Rehabilitation durch das Beschäftigungs- und Wachstumsförderungsgesetz des damaligen Gesundheitsministers Horst Seehofer aus dem Jahre 1997.
Hiervon haben sich die meisten Rehabilitationskliniken bis heute nicht erholt. Viele Kenner der Szene gehen davon aus, dass es in den nächsten drei bis fünf Jahren zu einer deutlichen Marktbereinigung mit dem Verlust von vielen Arbeitsplätzen kommen wird. Dieser Problematik habe sich die Bad Bockleter Einrichtung gestellt und zusätzliche Disziplinen, wie die Orthopädie und die Geriatrie, etabliert und sich zunehmend auch mit der Thematik Prävention auseinandergesetzt. Dr. Anja Weisgerber ermutigte die Bad Bockleter Verantwortlichen, den Präventionsgedanken weiter zu forcieren, da während der deutschen Ratspräsidentschaft Maßnahmen im Vordergrund stehen werden, die den Gesundheitsschutz, also die Prävention, fördern, wie sie erklärte.
Einen breiten Raum nahm die Diskussion zur Umsetzung der Arbeitszeitrichtlinie in einer Rehaklinik ein. Die Chefärzte machten deutlich, dass ein bereitschaftsdiensthabender Arzt im Akutkrankenhaus, der gelegentlich kaum zum Schlafen kommt, nicht mit einem bereitschaftsdiensthabenden Arzt in einem Rehabilitationszentrum verglichen werden darf. Letzterer ist zwar in der Klinik für den Notfall anwesend, kann in den meisten Fällen jedoch ohne Arbeitseinsatz durchschlafen. Daher sei es für die Arbeitgeber nur schwer verständlich, wenn alle Mediziner gleich behandelt werden sollen und am nächsten Tag ihren Dienst nicht fortsetzen dürfen. Die lebhafte Diskussion mit Dr. Anja Weisgerber verdeutlichte, welche unterschiedlichen Interessenlagen gerade ein Europaparlament zu berücksichtigen hat. Sehr kritisch äußerte sich Harald Barlage zu den schon vorhandenen und weiter geplanten grenzüberschreitenden Gesundheitsdienstleistungen. Natürlich können wir nicht ein vereintes Europa fordern und den Wettbewerb im Gesundheitswesen einfach ausblenden, sagte er.
Wenn wir in Deutschland aber einen solchen hohen Qualitätsstandard fordern und ein aufwendiges Qualitätsmanagement betreiben, dann darf es nicht sein, dass in anderen europäischen Ländern diese Leistungen ohne abgestimmte Qualitätsstandards erbracht werden, da dann nicht mehr von fairen Bedingungen gesprochen werden kann, sagte Harald Barlage.