www.rp-online.de, 24. März 2011
Überall auf der Welt lieben die Menschen deutsches Brot. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks will die Brotvielfalt aus der Bundesrepublik jetzt sogar zum Weltkulturerbe der Unesco machen. Was macht dieses ofenfrische Produkt so legendär, dass es Menschen auf der ganzen Welt nicht nur als Lebensmittel, sondern als deutsches Gut betrachten?
Selbst für Kommissionschef José Manuel Barroso sind Pumpernickel und Laugengebäck keine Fremdwörter. Obwohl der Mann Portugiese ist. Der Grund dafür sind allerdings nicht nur die "bunten" Brotkörbe der Brüsseler Buffets. Der Chef der EU-Gesetzesschmiede legte sich mit der deutschen Bäcker-Lobby an. Der schmeckten Regulierung-Pläne der Kommission für den Salzgehalt im Brot gar nicht. Die "EU-Geschmackspolizei" wolle leckeres deutsches Traditionsbrot zur faden "Sättigungsbeilage" degradieren, behauptete die Branche und blies zur Rettung des kulinarischen Kulturgutes. Die CSU-Europaabgeordnete Anja Weisgerber flog gar einen fränkischen Brotkorb zur Verkostung für die Eurokraten nach Brüssel ein.
Das Problem: Die Kommission wollte den Bäckern gar nicht in ihre Rezepte pfuschen. Es ging lediglich darum, irreführende Werbung zu verhindern. Ab einem bestimmten Salzgehalt sollten Brot und Brezn nicht mehr in Anzeigen oder auf Plakaten als „gesund“ angepriesen werden dürfen. Die vom Boulevard befeuerte Wutwelle über den Brüsseler Regulierungswahn kam vor den Europawahlen höchst ungelegen. So nahm Kommissions-Präsident Barroso Grundnahrungsmittel wie Brot von den Plänen aus. Werbung für die gesundheitsfördernde Wirkung von Salz-Brezeln habe ich dennoch bisher nirgendwo gesehen – weder in Belgien noch in Bayern. Essen mag ich sie trotzdem genauso gern wie Schwarzbrot.