Auszüge aus Main Echo, 22. September 2008
Umwelt: Projektbeirat »Luftqualität« diskutiert über Vermindern von Feinstaub und Stickoxiden
Aschaffenburg. Wenn jeder Aschaffenburger jeden Tag 400 Meter zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt und dafür das Auto stehen lässt, »dann ist das schon eine effiziente Maßnahme«. Das sagte Jürgen Giegrich vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) am Freitagabend in der Stadthalle, wo es um den Kampf gegen »Feinstaub und Co« ging.
Verschärfung im Jahr 2010 Der Physiker Giegrich gehört dem vor zwei Jahren gegründeten Aschaffenburger Projektbeirat »Luftqualität« an. Dessen nunmehr siebte Sitzung war öffentlich. Gekommen waren über 100 Bürger zur Diskussion mit der Europa-Abgeordneten Anja Weißgerber (CSU), Otto Wunderlich, dem Leiter des Referats Luftreinhaltung beim bayerischen Umweltministerium, Armin Bohnhoff, dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses der Industrie- und Handelskammer Aschaffenburg, und Oberbürgermeister Klaus Herzog.
Weißgerber kündigte an, 2010 werde in Europa ein Grenzwert auch für Kleinstpartikel gelten. Bislang hat es Feinstaubregelungen nur für Teilchen der Größe PM 10 mit einem Durchmesser von zehn Mikrometern (Millionstel Millimetern) gegeben, die neue Regelung betrifft die Größe bis PM 2,5 . Die Europäische Kommission werde den Wert 2013 überprüfen. Weißgerber: »Wir wollen keine Grenzwerte, die so niedrig sind, dass sie fast überall nicht erreicht werden können.«
An der Quelle verringern Freilich habe sich die EU – von ihr stammen inzwischen 80 Prozent aller Umweltgesetze im europäischen Raum – eine dauerhafte Verbesserung der Luftqualität zum Ziel gesetzt und somit »wahren Gesundheitsschutz«. Schon an der Quelle sollten die Luftschadstoffe verringert werden. Weißgerber sagte, Schiffsmotoren zählten zu den stärksten Emittenten, und auch kleinere Industrieanlagen fielen stark ins Gewicht. Wunderlich sprach von derzeit 57 Luftmessstationen in Bayern, davon zwei in Aschaffenburg (Bussardweg und Schweinheimer Straße) und eine in Kleinwallstadt. KI-Stadtrat Büttner kritisierte die Standorte. Seiner Meinung nach gibt es in der Stadt Stellen mit weit höherer Belastung, etwa die Dämmer Schillerstraße. Büttner monierte auch die TÜV-Prognose, dass der Feinstaub-Tagesmittelwert in Aschaffenburg den Grenzwert nicht überschreiten werde: Die Aussage sei vor der massiven Zunahme der »Mautflüchtlinge« gemacht worden. Der KI-Stadtrat forderte ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen ab 3,5 Tonnen auf den Einfallstraßen.
Auf der Maßnahmenliste des Luftbeirats rangiert dieser Vorschlag ziemlich abgeschlagen mit 22 Prozent Zustimmung und ist als »unverhältnismäßig« eingestuft. Die drei Spitzenreiter zur Abhilfe in der Rubrik »Mobile Quellen« – hier geht es hauptsächlich um den Straßenverkehr – sind: Bahnparallele mit Ringstraße, Einführung der »Grünen Welle« und zusätzliche Kreisel sowie Optimierung des Verkehrsflusses durch Vernetzung der Verkehrs- und Parkleitsysteme. Dahinter rangiert die Förderung des Fahrrad- und Fußgängerverkehrs vor dem Neubau von Hauptradwegen.
Der Verkehr produziert freilich in Aschaffenburg nur zehn Prozent des Feinstaubs und etwa 15 Prozent der Stickoxide. Trotzdem wurde hauptsächlich über Verkehrsfragen diskutiert. Grünen-Stadträtin Mechthild Schößler etwa sagte, Tempo 30 werde weder kontrolliert noch eingehalten.
Hauptverursacher kaum erwähnt Über lange Wartezeiten an den Ampeln und zu kurze Grünphasen für Fußgänger klagten mehrere Bürger. Herzog antwortete, sobald die Bahnparallele fertig sei, »geht es ganz schnell um die Stadt außen rum«. Werner Sigmund wünschte sich einen Shuttlezug, der Fern- und Nahreisezüge und Buslinien verbindet.
Kaum angesprochen wurde das Thema Hausbrand und Energieversorgung, obwohl auf das Konto von Erdgas und Heizöl 91 Prozent des Stickoxids in der Aschaffenburger Luft gehen und schätzungsweise drei Viertel der Feinstäube aus der Verbrennung von Holz stammen. Büttners Kritik, die Stadtwerke seien an einem Norddeutschen Kohlekraftwerk beteiligt, wie der OB zurück. Es handele sich um eines der Kraftwerke mit modernem Wirkungsgrad, für das sich der Stadtrat mit Mehrheit ausgesprochen habe.
Der Projektbeirat »Luftqualität« wird die Ergebnisse der Diskussion zusammen mit dem Rücklauf der Fragebogen – die noch im Rathaus erhältlich sind und spätestens bis 10. Oktober dort eingeworfen werden können – auswerten und den überarbeiteten Maßnahmenkatalog dem Stadtrat vorlegen. mel www.luftqualitaet.aschaffenburg.de