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"Dann muss ich eben zum Partyservice wechseln"

Auszug aus Mainpost, 9. Okober 2007

„Dann muss ich zum Partyservice wechseln“
Kleine Metzger sehen durch neues EU-Hygienerecht ihre Existenz bedroht

Schwere Zeiten für kleine Metzgereien: Die neue EU-Hygieneverordnung besagt, dass Fleischer, die auch in Zukunft selbst schlachten und ihre Produkte verkaufen möchten, sich eine so genannte EU-Zulassung ausstellen lassen müssen. Die Voraussetzungen hierfür bringen aber gerade kleine Betriebe finanziell in Bedrängnis – ein Problem, mit dem sich auch viele Metzger in Rhön-Grabfeld konfrontiert sehen.

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„Die EU hat die Hygiene nicht neu erfunden“, betont dagegen Dr. Anja Weisgerber, Mitglied des Europäischen Parlaments. „Es gab ja auch bisher schon Hygienevorschriften und bauliche Anforderungen für Metzgereien.“ Sie möchte eine Panikstimmung unter den Metzgern verhindern: Wirklich neu an der EU-Hygieneverordnung sei lediglich, dass sich die Betriebe nun registrieren müssten. Die gebürtige Schweinfurterin setzt sich in diesem Zusammenhang für Ausnahmeregelungen für kleine Metzgereien ein: „Wer bisher hygienisch einwandfrei gearbeitet hat und vermarkten durfte, soll dies auch weiterhin tun können“, so ihre Forderung.
Tatsächlich sehen die neuen EU-Vorschriften individuelle Spielräume für die nationalen Behörden vor. Diese werden in Deutschland aber bisher nicht genutzt. „Gäbe es Sonderregelungen für kleine Betriebe, dann würde ich dem Ganzen viel gelassener entgegen sehen“, bestätigt Hugo Neugebauer. Seiner Meinung nach spielen gerade die kleinen regionalen Metzgereien eine bedeutende Rolle: Zum einen werten sie durch ihre Qualitätsprodukte das Image der von Skandalen gebeutelten Fleischindustrie auf. Zum anderen leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz: Wer seine Ware ausschließlich in der eigenen Region vermarktet, hat kurze Wege.
Dem stimmt Michael Voll, Landwirt aus Langenleiten, zu. „Der beste Weg ist doch der, der direkt vom Hersteller zum Verbraucher führt.“ Er führt auf seinem Hof Hausschlachtungen durch, die für ihn neben der Weideviehhaltung und Landschaftspflege eine wichtige Einkommensquelle darstellen. Für die Umsetzung der neuen EU-Vorschriften bräuchte er zusätzlich zur obligatorischen Hygieneschleuse eine Toilette und Dusche. „Für einen Ein-Mann-Betrieb ist das doch Blödsinn“, wundert sich Voll. Er kann und will die nötigen Umbauten nicht finanzieren: „Dann müsste ich mir eben ein ganz anderes Tätigkeitsfeld suchen – Partyservice zum Beispiel.“
Das käme für Werner Söder, Metzger aus Sandberg, nicht in Frage. „Für mich ist die Eigenschlachtung sehr wichtig, ich brauche die EU-Zulassung.“ Er hat sich bereits erkundigt, welche Umbauten er in seiner Metzgerei durchführen müsste, damit diese den neuen Vorschriften entspricht. Seine Kosten würden sich im Rahmen halten – vom Konfliktpotential des Themas ist Söder trotzdem überzeugt: „Die Betriebe, die sich lange Zeit nicht um Hygienevorschriften gekümmert haben, werden auf der Strecke bleiben.“ Mit den Umbauarbeiten will sich der Metzgermeister Zeit lassen: „Erst einmal abwarten, wie sich die Lage entwickelt.“