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Damit Frauen wieder einsteigen

MainPost, 10. Juni 2011

„Meine Berufserfahrung hätten sie gerne, aber ich sollte halt höchstens 20 sein.“ Susanne Leicht (Name von der Redaktion geändert) hat die Nase voll. Sie ist Industriekauffrau, Buchhalterin, hat zahlreiche Zusatzqualifikationen und war einmal in leitender Stellung. Sie sucht adäquate Arbeit, den Wiedereinstieg in den Beruf und Hilfe bei der „Beratungsstelle Frau & Beruf“, dem neuen Angebot des Landratsamtes.

Im Augenblick sieht sich Susanne Leicht statt „leitend“ nur noch „leidend“; sie hinterfragt ihr Lebenskonzept. Sie hatte geheiratet, eine Tochter geboren, drei Jahre Erziehungsurlaub genommen. „Mit dieser Ausbildung bekommst du auf alle Fälle wieder einen Job“, dachte sie. Es sollte anders kommen, die Ehe scheiterte, plötzlich war sie alleinerziehende Mutter. Ihr ehemaliger Chef sagte zu einem Wiedereinstieg rigoros: „Entweder ganz oder gar nicht.“ Es blieb nur gar nicht, denn Susanne Leicht hatte niemanden für ihr Kind.

Heute ist ihre Tochter zwölf Jahre alt, die Mutter sucht verzweifelt eine Arbeitsstelle, in der sie ihre Qualifikationen einbringen kann. Weiterbildung war für sie auch in der Kinderpause wichtig: So arbeitete sie in einem Frühstückservice, um ihr Englisch zu vervollkommnen, besuchte Computerkurse und IHK-Seminare. Aber„als Alleinerziehende bin ich ein rotes Tuch“, vermutet die heute 49-Jährige. Wenn ihr einmal ein Job angeboten werde, dann zu einem Gehalt, das dem von Auszubildenden entspräche.

Sarah Weigand (Name von der Redaktion geändert) ist nicht alleinerziehend, aber auch für sie war die Familienzeit das berufliche Aus. Die gelernte technische Zeichnerin hat zwei Kinder, inzwischen 16 und 24 Jahre alt. Sie könnte und wollte längst wieder arbeiten. Aber der technische Fortschritt hat sie überholt. „Ich bräuchte dringend Fortbildungen in den neuen Computerprogrammen, aber die kann ich nicht zahlen“, sagt sie.

(...)

Beide Frauen holen sich Hilfe bei der Beratungsstelle Frau & Beruf im Landratsamt. Ute Suckfüll, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Schweinfurt, freut sich, dass es gelungen ist, dieses Angebot des Bad Kissinger Rhön-Saale-Gründer- und Innovationszentrums (RSG) auch nach Schweinfurt zu holen. Motor sei, so Suckfüll, die Europaabgeordnete Anja Weisgerber, die sich vehement dafür einsetze, diese Angebote unterfrankenweit einzurichten.

Die ersten beiden Sprechtage im Landratsamt waren gut nachgefragt. Projektleiterin Katja Romeis hilft bei Fragen zur Jobsuche und Kinderbetreuung, bei Wiedereinstieg, Weiterbildungsmöglichkeiten und Bewerbungen. „Das ist bitter nötig“, meint Weigand, „meine letzte Bewerbung ist knapp 30 Jahre her, da hat sich ja alles geändert.“

Suckfüll plant, neben den Sprechtagen künftig auch Coaching und Training anzubieten. Die Beratungsstelle ist im Aufbau, betreut werden nicht nur Wiedereinsteigerinnen. Auch Berufsanfängerinnen oder Frauen, die den Beruf wechseln wollen, finden dort eine wichtige Adresse.

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