Main Post, 26. Januar 2011
Die unterfränkische CSU ist ins Gerede gekommen. Schon seit über zwei Jahren geht es immer wieder um die Nachfolge des Bezirksvorsitzenden Michael Glos. Schon damals, im Februar 2009, hatte Glos nach dem Rücktritt als Wirtschaftsminister den Wunsch erkennen lassen, auch den Bezirksvorsitz abzugeben. Damals wurde er nach einigem Hin und Her um Kandidaten von einflussreichen Parteifreunden gebeten, weiterzumachen. Wie die Zeit vergeht: Die zwei Jahre sind um, die Frage stellt sich wieder.
Bei der Bezirksvorstandssitzung am 19. Februar wird erwartet, dass die Diskussion offiziell eröffnet wird. Vor allem dadurch, dass Michael Glos (66) definitiv erklärt, dass er das Amt aufgibt. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte ihm vor kurzem nach 17 Jahren im Amt „politische Lustlosigkeit“ und demonstratives Fernbleiben aus München vorgehalten. Der mit 18 000 Mitglieden viertgrößte Bezirksverband Unterfranken sei „führungslos“, wurde der CSU-Vorstand zitiert. Darauf angesprochen reagiert der Gescholtene mit Gelassenheit: „Ach, wissen Sie, ich hab gute Stellvertreter und die Unterfranken-CSU hatte das beste Ergebnis in Bayern bei den Wahlen. Mit Helmut Kohl sage ich, es kommt darauf an, was hinten herauskommt.“
Anwärterinnen im Mutterglück
Und auf die Frage nach dem Wunschnachfolger reagiert Glos – na, wie? – gelassen: „Wir werden das besprechen. Vor Sitzungen gebe ich grundsätzlich keine Erklärungen ab. Meistens schadet man Leuten nur, wenn man vorher redet. Ich halte es wie die Bauern früher: Man muss sein Zeug ordentlich übergeben. Das werde ich tun.“
Wer den ordentlichen unterfränkischen Hof übernehmen wird, darüber lässt sich spekulieren. Immer im Rennen sind die Schweinfurter Europaabgeordnete Anja Weisgerber (34) und die Vize-Generalsekretärin und Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (32, Ebelsbach).
Nachdem in diesem Jahr der Weltfrauentag sein 100. Jubiläum begeht und junge Frauen bei der CSU auf Posten befördert werden sollen, wäre die Entscheidung für eine symbolträchtig. Doch wie das Leben spielt, erfreuen sich beide bald Mutterfreuden: Weisgerber erwartet im März ihr erstes, Dorothee Bär im Februar ihr zweites Kind – kein idealer Zeitpunkt, um mit aller Macht nach Macht zu streben.
So könnte alles auf den Staatssekretär im Innenministerium Gerhard Eck aus dem Landkreis Schweinfurt zulaufen. Er drängt sich nicht vor: „Natürlich bin ich angesprochen worden, bewerben können sich aber alle. Dann wartet man die Diskussionen ab. Zu Spekulationen nehme ich keine Stellung.“
Ein kluger Schachzug, zumal diskutiert wird, welche Rolle die Bezirksvorsitzenden heute spielen. Früher, zu Edmund Stoibers Zeiten, wurden sie gehört. Heute hört man aus der Partei: „Der Seehofer fragt doch sowieso niemanden. Insofern kommt es nicht auf die Köpfe an. Da plätschern Strukturen einfach weg.“
Ohnmächtige Bezirkschefs?
Hinter vorgehaltener Hand wird gefragt, ob ein Bezirkschef wirklich so wichtig ist. Die Namen der ehedem so mächtigen Bezirksfürsten sind kaum noch bekannt, Einfluss beziehen sie eher aus Ämtern als der Region. Paradebeispiel ist Karl-Theodor zu Guttenberg, der neben seinem Ministeramt in Berlin oberfränkischer Bezirkschef ist. Der aber auch so kaum Probleme hätte, Seehofers Aufmerksamkeit zu bekommen.
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