Main Post, 01. Juni 2011
„Das ist ein Bulle, Marianne. Der ist viel stärker als wir.“ Felix kennt sich aus. Er erklärt seiner Kindergartenfreundin noch, woran man den Bullen erkennt. „Der hat so kleine Hörner und der gibt nix.“ Also Milch. Im Gegensatz zu den Kühen, meint er.
Die Ebertshäuser Kindergartenkinder wissen Bescheid. Einen Tag verbringen sie auf dem Bauernhof der Familie Lindner und keines glaubt hernach mehr, dass eine Kuh lila ist oder die Milch aus dem Supermarktregal kommt. Auf dem Lindnerhof ist der Startschuss zum achten Kindertag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) gefallen, den die Landfrauen ins Leben gerufen haben. Bayernweit werden heuer in den nächsten 14 Tagen 53 000 Kinder auf 800 Bauernhöfen zu Gast sein.
Kreisbäuerin Sieglinde Fackelmann begrüßt die Kinder. „Die Tiere zu erleben, ist schön“, bestätigt sie die Kleinen, „aber ihr könnt heute auch eurem Essen auf die Spur kommen.“ Schirmherrin Anja Weisgerber testet, was die Kleinen schon wissen: „Wo kommt denn euer Kaba her?“ Einer der kleinen Profis erklärt: „Die Milch kommt von der Kuh, aber da muss auch noch Kakao rein.“ Über die Liebe zur Pizza geht's dann zum Getreideanbau und so fort.
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Das Schönste aber sind die Kälbchen. Wobei es nicht ganz auszumachen, wer sich nun mehr fürchtet: die Kinder oder die jungen Tiere. „Ihr müsst ganz leise und vorsichtig sein“, lautet die Ermahnung, und im Nu wird aus dem Bauernhof ein kleiner Streichelzoo.
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„Wo kommen unsere Lebensmittel her und wie kann ich mich gesund und vor allem regional ernähren?“ Das sind die Fragen, die Europaabgeordnete Weisgerber den Kindern gerne nahebringen will. „Wir müssen bei den Kindern anfangen, ein neues Bewusstsein zu schaffen.“ Dass dies nötig ist, bestätigt Sieglinde Fackelmann. Sie erinnert sich an ein Kind, das nicht wusste, dass seine heißgeliebten Pommes Frites aus Kartoffeln entstehen. Und noch einen Effekt sieht die Kreisbäuerin: „Über die Kinder kommen wir auch an die Erwachsenen heran.“ Sie ist sich sicher, dass das Bewusstsein für gesunde Ernährung und das Einkaufen in der eigenen Region wächst. „Die Menschen passen mehr auf“, ist sich Fackelmann sicher, auch wenn sie einschränkt: „Es ist alles nur noch eine Preisfrage.“
Die Kinder begeben sich auf auf dem Lindnerhof auf eine richtige Entdeckungsreise: Die Milchkühe, mehrere Mastbullen und Kälbchen sind nur der Auftakt. Später geht es in den Schweinestall mit 1200 Plätzen und aufs Feld. Dort wächst Raps, Weizen, Gerste, Triticale. Am Ende ihrer Erkundungstour ahnen sogar die Jüngsten, dass eines besonders nötig ist, bis die Milch vom Kuheuter in den Kunststoffkarton im Supermarkt kommt – viel Arbeit.
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