www.swex.de, 24. Juni 2012
Die Farben Rot und Weiß dominierten das Parlamentsviertel von Brüssel am Mittwoch vergangener Woche. Es sind die Farben Frankens. Auf Initiative der Schwebheimer Europaabgeordneten Anja Weisgerber (CSU) präsentierte sich deren Heimat bei einem fränkischen - besser: unterfränkischen - Weinfest den Parlamentariern und Gästen aus allen Herrn Ländern; mit dabei auch Weinhoheiten, Trachtler und Volksmusiker aus unserer Region, die für zahlreiche Farbtupfer sorgten. Für SWEX begleitete Ayfer Fuchs die Festivität, die so zum ersten Mal in Brüssel stattfand - und liefert einen sehr persönlich gehaltenen Erlebnisbericht.
Müde von einer nur kurzen Nacht, aber aufgeregt, was uns in Brüssel erwartet , sitzen wir (Ayfer Fuchs, Karina Brock/Kitzinger Zeitung und Christina Back/Radio Primaton) mit einer Delegation des fränkischen Weinbauverbandes , der Trachtengruppe Geldersheim, Vertretern des Bezirks Unterfranken, den "Schlapperflickern", den Weinprinzessinnen und der Weinkönigin am Mittwochmorgen im Bus nach Brüssel. Der Präsident des Weinbauverbandes, Artur Steinmann, stimmt auf zwei Tage Brüssel ein - mit einem besonderen Höhepunkt: dem fränkischen Weinfest als noch nie dagewesene Werbeveranstaltung für die Weinbauregion entlang des Mains. Franken ist Gastgeber. Wir wollen beeindrucken, aber auch Eindrücke mit nach Hause nehmen.
Die Stimmung im Bus läuft schnell zur Höchstform auf, bereits um 8.30 Uhr singen wir das Frankenlied - auch für alle Daheimgebliebenen, live via Radio Primaton. Fr die weniger Textsichern hat der Geldersheimer Oliver Brust Liederbüchlein dabei. Und: Wir glühen ein wenig vor mit fränkischen Wurstbroten sowie - natürlich - Frankenwein. Pünktlich um 14 Uhr erreichen wir Brüssel und werden von der initiatorin der Veranstaltung in Empfang genommen: Anja Weisgerber im fescher und stilechter Tracht, bereit für einen fränkischen Abend am Hort der europäischen Demokratie. Bei der Durchsetzung dieses lange gehegten Traums der Schwebheimer EU-Parlamentarierin erhilt diese Unterstützung vor allem durch Europaministerin Emilia Müller, die bayerische Vertretung im Europäischen Paröament, den Bezirk Unterfranken, und den fränkischen Weinbauverband. Angesagt haben sich rund 500 Personen - eine ordentliche Resonanz.
Jetzt trennen sich erstmal die Wege der offiziellen Delegation und der Presse - während die einen sich auf ihren großen Abend vorbereiten, haben wir Gelegenheit, uns mit der inhaltlichen Arbeit von Anja Weisgerber auseinanderzusetzen und auch einmal - für rund eine Stunde - das "Flair" des Europaparlaments zu atmen. Das Weinfest selbst findet dann im Innenhof der Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU statt. Unsere ansehnlichen Weinprinzessinen begrüßen alle Gäste mit einem Gläschen Secco und legen die Basis für einen wunderschönen Abend in bezauberndem Ambiente. Die Dekoration ist geschmackvoll und das Wetter, das bis zum Schluß der Vorbereitungen für Anspannung gesorgt hatte, richtig lauschig. Wenn Franken reisen...
Für das musikalische Entree sorgen die Galderschummer Schlapperflicker. Emilia Müller, Bayerns Staatsministerin für Bundes-und Europaangelegenheiten, begrüßt die Gäste in fast perfektem Fränkisch; man spürt, dass es ihr die fränkische Kultur ein echtes Anliegen ist. Anja Weisgerber spricht, auch Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel und natürlich unsere Fränkische Weinkönigin Melanie Dietrich - stellvertetend für alle mitgereisten Weinprinzessinen. Hermann Mengler, Fachberater für Kellerwirtschaft des Bezirkes Unterfranken stellt die fränkische Qualitätspyramide vor. Und dann wirds richtig fränkisch - mit Rundtänzen zur Musik der Schlapperflicker sowie fränkischen Köstlichkeiten und Frankenwein, ausgeschenkt durch die Weinprinzessinnen. Viele Parlamentarier sind anwesend, natürlich auch Anja Weisgerbers fränkische Kollegin Kerstin Westphal (SPD, Foto unten); die Atmosphäre ist ausgesprochen entspannt.
Inzwischen haben sich auch die Oberfränkische Europaabgeordnete Monika Hohlmeier und EU-Energiekommissar Günther Öttinger unter die Gäste gemischt. Letzterer bleibt bis ganz zum Schluss. Bei der Ehrentour bittet Oliver Brust, Gauvorstand des Trachtenverbandes Unterfranken, natürlich Anja Weisgerber zum Tanz. Beide machen eine sehr gute Figur - an tänzerischer Expertise mangelt es ihnen nicht. Den rest des Abends gestalten "Häisdn Däisdn vom Mee" musikalisch aus - auch bestens. Gegen 23 Uhr endet der Abend zumindest für die Delegation aus Schweinfurt - sie muss am nächsten Morgen um 9 Uhr wieder antreten...
...zum politischen Teil der Reise. Wir sprechen mit Manfred Weber, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Konservativen aus Niederbayern. Als besonders positiv empfindet der ehemaligeLandtagsabgeordnete, dass es im EP keinen starken Fraktionszwang gibt und er somit die Freiheit hat, themenorientiert abzustimmen. Er ist der Auffassung dass man im EP als Einzelner enorm viel bewegen kann. Die CSU ist eine junge Mannschaft, sagt er - wohl auch mit Blick auf Anja Weisgerber. Und er skizziert beispielhaft den grundlegenden Unterschied zwischen europäischer und Landespolitik: "Wenn es um das Thema Griechenland geht, redet man in München über die Griechen und in Brüssel redet man mit den Griechen."
Den meisten Franken sind die Griechen an diesem Tag nicht so wahnsinnig wichtig. Sie sind noch beseelt vom Vorabend und vom Wein - dem fränkischen, nicht dem griechischen... Pünktlich um 11.45 Uhr macht sich der Bus aus Schweinfurt wieder auf den Heimweg. Die allermeisten Mitglieder der Reisegesellschaft holen sich jetzt eine Mütze Schlaf. Die Weinprinzessinnen nicht. Sie sind weiter quietschvergnügt und versuchen, die Stimmung im Bus hoch zu halten. Beim Weinbauverband zieht man Bilanz. Präsident Artur Steinmann ist hochzufrieden. Das war Werbung für den Frankenwein auf höchstem Niveau. Und es wird - da ist er sich sicher - noch lange nachwirken...