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Brot nach altem Reinheitsgebot:EU-Richtlinie empört Bäcker

www.nz-online.de, 26. Februar 2009

SCHWABACH - Bäckermeister Gerd Distler aus dem Schwabacher Stadtteil Unterreichenbach darf vorerst aufatmen. Er wird weiterhin seine Regale mit Brotlaiben füllen, deren Geschmack von original fränkischen Rezepten und nicht von der EU-Richtlinie zum Salzgehalt geprägt wird. Und Distler wird seine Brotsorten weiterhin als gesundes Essen bezeichnen dürfen.

Die EU-Kommission wollte es eine Zeit lang anders haben: Ein Verbot von Lebensmitteln hatte sie zwar nicht im Sinn. Doch hätte sie ihre Verordnung druchgebracht, wären Backwaren mit mehr als einem Gramm Salz im fertigen Produkt – wie etwa bei fränkischen Brotsorten – nicht gesundheitsförderlich. Am Dienstag ruderte die EU-Kommission zurück und kündigte an, den Grenzwert für Salz im Brot auf 1,5 Prozent in Mehleinheit festlegen zu wollen. Der neue Grenzwert – er soll zunächst sechs Jahre gelten – benötigt noch den Segen der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments.

Für den Bäckermeister ist das ursprüngliche Vorhaben die Bestätigung dafür, «dass in der EU Sachen nicht von Praktikern entschieden werden«. Den Beweis dafür lieferte er bei einer Verkostung in seiner Bäckerei. Den Unterschied zwischen einem original fränkischen Bauernlaib und einem Roggenmischbrot mit zuerst geplantem EU-Salzgehalt testete dabei EU-Parlamentarier Martin Kastler (CSU). Sein Fazit: «Im Vergleich zu fränkischem Brot ist es quasi geschmacklos.« Unterdessen fand auch in Brüssel eine Brotverkostung statt. Dort überreichte die unterfränkische Europaabgeordnete Anja Weisgerber (CSU) regionales Brot an den deutschen EU-Kommissar Günter Verheugen.

Wochenlang haben deutsche Bäcker gegen das EU-Vorhaben protestiert – zu Recht, findet Kastler: «Das würde unsere regionale Vielfalt kaputtmachen.« Der Schwabacher warnt vor einheitlichen EU-Regeln bei Lebensmitteln: «Die EU-Kommission erweist sich einen Bärendienst, wenn sie solche Richtlinien erlässt. Gleichheit birgt die Gefahr, dass die Menschen sich von der EU abwenden.« An dem ursprünglichen Vorhaben zur Regelung des Grenzwertes für Salz im Brot wurde das Europaparlament nicht beteiligt, so Kastler. «Die hätten uns komplett außen vor gelassen«, wenn sich die Bäcker nicht lautstark gemeldet hätten – für ihn ein Demokratiedefizit. «Alle Hoheitsrechte sollen beim Parlament liegen«, so der EU-Parlamentarier.