Main Echo
CSU-Arbeitskreis Umweltsicherung: Tagung in Kar1stein
Karlstein. Effektive Energiepolitik muss sich nach Ansicht führender CSU-Repräsentanten in Unterfranken aus zwei Quellen speisen: Biomasse und Kernenergie. Theorie und Praxis in Versorgungsfragen für den Bezirk und den Freistaat suchte der christsoziale Arbeitskreis Umweltsicherung und Landesplanung (AKU) bei einer Tagung in Karlstein zusammen zu bringen.
Steigende Preise für Sprit. Öl und Gas, beängstigende weltweite Klimaprognosen, Wirtschaftschancen mit erneuerbaren Energien - Aspekte wie diese haben die Energiepolitik aus Fachgremien und Instituten beständig ins Licht der Öffentlichkeit gezogen.
Der Versammlungsraum der Dettinger Gaststätte »Stehkragen« war brechend voll, als der Bezirksvorsitzende des AKU, Dr. Otto Hünnerkopf, die Info-Veranstaltung eröffnete. Erst spät begrüßen konnte der Landtagsabgeordnete seinen Kollegen Henning Kaul und die Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber.
Kar1stein könnte Vorbild sein Altbürgermeister Helmut Winter stellte daher zunächst lokale Gesichtspunkte in den Vordergrund: Mittel und Wege müssten gefunden werden, sowohl Bauherren als auch Landwirte gelte es mit Initiativen auf Kreis- und Bezirksebene zu energiebewusstem Wirtschaften zu motivieren. Und konkret: Ein Biomassekraftwerk in Karlstein könne Vorbildcharakter entwickeln.
Die Nutzung nachwachsender, vorwiegend landwirtschaftlich produzierter Energieträger steht nach Aussage von Weisgerber derzeit auch im Mittelpunkt europäischer Bemühungen. Nach der Photovoltaik sei die Biomasse neuer Förderschwerpunkt in EU - Programmen und stehe beim Energiegipfel im Vordergrund.
Für Energiemix in Bayern
In Bayern sprach sich die Europaabgeordnete für einen klar definierten »Energiemix« aus: Bio-Rohstoffe seien der Windkraft vorzuziehen, gegenüber der »überförderten« Photovoltaik müsse die Solarthermie zum Heizen und für die Warmwasserbereitung an Gewicht gewinnen. Und angesichts wachsender C02-Immisionen könne auf Atomkraft nicht verzichtet werden. Ähnlich äußerte sich Dr. Hünnerkopf: »Es geht ganz entschieden nicht ohne Kernenergie«.
Den Wert informativer Veranstaltungen auf lokaler und regionaler Ebene hob Henning Kaul hervor: Eine Partei wie die CSU könne gar nicht genug dafür tun, das Zukunftsthema Energie im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Großes Lob zollte Kaul dem AKU und seinen Akteuren, der gute Besuch spreche für sich.
Praktischen Fragen der Energiegewinnung und -einsparung hatten sich im ersten Teil der Veranstaltung zwei Fachreferenten gewidmet. Reinhold Noe,. Vorsitzender der Vereinigung der Energieberater in Unterfranken, stellte die wesentlichen Anforderungen eines »Energiepasses« für Gebäude vor und wies besonders auf die Altbau-Problematik hin: 75 Prozent der heute genutzten Wohnungen seien vor 1985 entstanden, auf sie entfielen 95 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes aus dem Wohnbereich. Häuslicher Energiebedarf errechne sich zudem zum weit überwiegenden Teil aus Heizungs- und Warmassernutzung, so dass »energetisches Einpacken« neuer wie auch alter Gebäude die wichtigste Aufgabe sei.
Landwirte als »Energiewirte" Unterdessen müssen sich die Landwirte nach Auffassung von Eugen Köhler, Geschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband, schrittweise in ihre neue Rolle als »Energiewirte« hinein finden. Landwirtschaftliche Gebäude böten sich mit ihren großen Dachflächen als Solarkraftwerke an, auch könne der Bauer mit dem Anbau von Ölfrüchten, der Produktion von Biogas, Biokraftstoff und von Holz als Heizmittel in die Energiewirtschaft einsteigen. In Sachen Energie-Getreide, direkt für den Ofen gezogen, sei noch die Frage des Schadstoff-Ausstoßes zu klären. Unter den richtigen Umständen, so Köhler, könne der »Energiewirt« die Antwort auf den landwirtschaftlichen Strukturwandel sein.