Saale-Zeitung, 30. April 2010
„Was ist schützenswerter unser Trinkwasser oder der Biber?“, brachte Folker Müller die aktuelle Diskussion in Zeitlofs um den Verlauf der neuen Gas-Pipeline auf den Punkt. Gut 20 Bürger begrüßten die CSU-Europa-Abgeordnete Anja Weisgerber am Buzschen Schloss und baten um Hilfe im Kampf gegen das E.on-Ruhrgas-Projekt.
„Es ist natürlich schwer, beide Schutzgüter gegeneinander anzuwägen.“, stellte MdEP Weisgerber gleich klar, dass die Entscheidung nicht in ihren Händen, sondern bei den zuständigen Behörden liege. Folker Müller und Leo Uebelacker verwiesen darauf, dass es erhebliche Bedenken wegen des Leitungshaus durch das Zeitlofser Trinkwasser-Schutzgebiet gibt: „Wir haben hier sehr flachgründige Böden“, so Müller. Zum Verlegen der Gasleitung mit einem Meter Durchmesser müssten auf alle Fälle Felsschichten durchstoßen werden. Weil die mittlere und von E.on tavonsierte Trasse vom Grieshof kommend den Hang zwischen den beiden gemeindlichen Trinkwasserbrunnen ins Sinntal hinunter und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinauf führt, befürchten die Zeitlofser Bürger einen Drainage-Effekt und einen Ablauf des Oberflächenwassers. Neben dem unmittelbaren Eingriff würden die schweren Baumaschinen auch zu Verdichtungen im Boden führen, die ebenfalls zu einer Verlegung von Wasserströmen führen könnten. „Wer garantiert für unsere Brunnen?“ war deshalb die Frage der Bürger. Schließlich hätten die Beitrags- und Gebührenzahler viel Geld in den Ausbau der Trinkwasser-Versorgung investiert.
„Die Leitung verhindern will keiner“, betonte Leo Uebelacker, dass nicht an der Pipeline in Richtung Würzburg gerüttelt werde. Allerdings kämpfen die Bürger dafür, dass die neue Leitung möglichst parallel zur bestehenden, 80 Zentimeter dicken Leitung verlegt werden soll. Das Problem: Auf hessischer Seite führt die alte Trasse durch ein FFH-Gebiet, in dem mittlerweile der Biber heimisch geworden ist. „Es kann nicht sein, dass das Wasserschutzgebiet weniger zählt als der Biber“, brachte Bürgermeister Wilhelm Friedrich den Konflikt auf den Punkt. Leo Uebelacker und Folker Müller verwiesen zudem darauf, dass die Leitung auch quer zum Tal der Kleinen Sinn durchs FFH-Gebiet, über den ICE-Tunnel hinweg und entlang der Bahnstrecke möglich sei. Diese Trasse sei allerdings länger, aufwändiger und damit teurer als die favorisierte.
Besonders hart getroffen wäre Elisabeth Strik vom Grieshof: Die 61-Jährige bat Europaabgeordnete Anja Weisgerber um Hilfe, den Bau der Gasleitung mitten durch ihren Grundbesitz zu verhindern. Elisabeth Strik betreibt einen Gnadenhof für betagte Pferde, nimmt erkrankte Tiere zur Erholung auf und unterhält eine Fohlenzucht. Weil der Hof hoch über Zeitlofs nicht an die gemeindliche Wasserversorgung angeschlossen ist, ist Elisabeth Strik auf ihren eigenen Brunnen angewiesen. Der habe schon bestanden, als sie den Hof in den 1960er Jahren kaufte. Wenn allerdings die Pipeline 100 Meter oberhalb vorbei läuft, könnte er gefährdet sein, befürchtet die 61-Jährige. Zudem würde die komplette Weide umgegraben: „Wo gehe ich in der Zeit mit meinen Pferden hin?“, macht sie sich Sorgen um ihre derzeit rund 60 Tiere.
Der Zeitlofser wollen in den kommenden Wochen noch mehr Politiker einladen: Weisgerber sei aber die einzige Mandatsträgerin gewesen, die bislang auf eine Anfrage reagiert habe. Ansonsten seien weder von Landrat Bold, noch von MdB Kiesel oder MdB Fell Antworten auf die Anfragen gekommen. MdEP Weisgerber befasste sich nach eigenen Angaben in Zeitlofs zum ersten Mal mit dem Thema Gas-Pipeline durch ihren Wahlkreis Unterfranken. Weisgerber sitzt unter anderem im Umwelt-Ausschuss des Europa-Parlamentes.