dpa-Notizblock, 12. Oktober 2011
Patienten sollen nach dem Willen der EU-Kommission klar und verständlich über verschreibungspflichtige Medikamente informiert werden - für diese Arzneien werben dürfen die Pharmakonzerne aber nicht. Die EU-Kommission stellte am Dienstag einen entsprechenden Vorschlag in Brüssel vor. Demnach dürfen Hersteller nur auf amtlich registrierten Internetseiten über ihre Medikamente informieren. Außerdem sollen die Informationen von den zuständigen nationalen Behörden überwacht werden.
«'Dr. Google' ist keine verlässliche Quelle. Dem müssen wir eine gute, geprüfte Alternative entgegen setzen», erklärten die konservativen EU-Abgeordneten Peter Liese und Anja Weisgerber. Werbung in Radio und Fernsehen sowie Anzeigen in Zeitungen und Magazinen soll es laut Kommissionsvorschlag auch künftig nicht geben.
2008 hatte die Kommission noch eine Lockerung des Werbeverbots vorgeschlagen. Das Europaparlament lehnte jedoch ab; nun präsentierte die Kommission ihren überarbeiteten Vorschlag. Das Europaparlament und der EU-Ministerrat müssen ihm noch zustimmen.
«Die überarbeiteten Vorschläge setzen die Rechte, Interessen und die Sicherheit der Patienten an die erste Stelle», sagte EU-Gesundheitskommissar John Dalli. «Patienten sind zunehmend daran interessiert, mehr darüber zu erfahren, welche Medikamente sie nehmen.» Daher müssten die Informationen im Internet sowie auf den Beipackzetteln auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sein: sachlich richtig, neutral formuliert und klar verständlich. Sie sollen Aufschluss geben über Anwendung, Kosten und relevante klinische Studien.
«Patienten müssen das Recht und die Möglichkeit haben, verlässliche Informationen über Krankheiten und Therapien sowie über Inhaltsstoffe, Anwendung und Wirkung ihrer Arzneimittel zu bekommen», sagte die SPD-Europaabgeordnete Dagmar Roth-Behrendt.