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Aus Feinden wurden Freunde

Schweinfurter Anzeiger

Würzburg. Während beim Jubiläumsgipfel in Berlin die 27 Staats- und Regierungschefs der Gründung der Europäischen Union (EU) gedachten, erinnerten in Würzburg beim Europaempfang der Jungen Union Unterfranken die Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber und Staatskanzlei-Chef Eberhard Sinner an die Unterzeichnung der "Römischen Verträge" vor 50 Jahren.

Am 25. März 1957 unterzeichneten in Rom die Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden die Gründungsverträge der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) und legten damit den grundstein für die Europäische Union. Unzählige Auseinandersetzungen und Kriege führten im 20. jahrhundert zu den beiden Weltkriegen. Vor diesem Hintergrund bedeutete der Zusammenschluss dieser sechs Nationen ein deutliches Signal an die welt - für einen neuen Dialog auf dem Kontinent.

"Die Bundesrepublik Deutschland brachte diese Unterschrift wieder als Partner - nicht mehr als Kriegstreiber und kriegsverlierer - zurück auf das internationale parkett", betonte Dr. Anja Weisgerber. Und heute nach genau 50 Jahren hat sich aus dem wirtschaftlichen Zweckbündnis EWG, das kontinuierlich in Richtung politischer, wirtschaftlicher und sozialer Einheit ausgebaut wurde, eine politische Union von 27 Nationen mit fast 500 Millionen Menschen entwickelt.

Darüber hinaus hat die EU für die längste Friedensperiode auf dem europäischen Kontinent gesorgt und einen wesentlichen Anteil an der deutschen Wiedervereinigung. Grundfreiheiten, wie freier Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Unternehmen, Kapital und Menschen sowie bürgerliche Freiheiten und Rechte, haben die Europäische Union zu einem echten Erfolgsprojekt gemacht, so Weisgerber. Obwohl mit dem aktuellen Abstimmungssystem im Europäischen Parlament, mit dem man "nicht einmal einen Gemeinderat regieren könnte" nicht einverstanden, sieht Staatskanzlei-Chef Sinner die Europäische Union "als das gelungenste politische Projekt, das man weltweit besichtigen kann" an. Er nannte die EU sogar die Antwort auf die Globalisierung. Die Europäische Union schaffe Spielregeln, denen sich sogar Wirtschaftsmächte wie China unterwerfen müssten. "Europa gibt uns die Chance Spieler zu sein und nicht Ball!"

Doch der Einigungsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Dies beweisen aktuelle Diskussionen über die Aufnahme neuer Mitglieder und über eine gemeinsame Verfassung. Nachdem Frankreich und die niederlande 2005 Nein zur Verfassung gesagt haben, sucht die EU nach Alternativen. Aber gerade diese gemeinsame Verfassung mache Europa zukunftsfähig, so Sinner. Auch die am vergangenen Sonntag unterzeichnete "Berliner Erklärung" gehe in diese Richtung: Man sei sich in dem Ziel einig, die EU bis 2009 auf eine "erneute gemeinsame Grundlage zu stellen".