Südwestpresse, 7. Januar 2009
RÖTTINGEN (brun). Zum Auftakt des Superwahljahrs traf sich die Führungsspitze des CSUKreisverbandes
Würzburg-Land in der Burghalle zum Kanapee-Gespräch.
Röttingen Das neue Rezept "Kanapee-Gespräch" statt des traditionellen
Neujahrsempfangs bewährt sich immer mehr, vor allem dadurch, dass es keine
Parteidisziplin gibt. Selbst Gastgeber und Diskussionsleiter Martin Umscheid,
Bezirksrat und Bürgermeister, sorgte mit kritischen Fragen an die Kanapee-
Teilnehmer für Diskussionsfreude bei den Gästen, wie Kreisräten,
Bürgermeistern und vor allem vielen Vertretern der Wirtschaft in der voll
besetzten Burghalle. Dabei standen die aktuellen Gesprächsthemen Krise,
Bürokratieabbau und Mindestlohn im Mittelpunkt. Elisabeth Finkbeiner,
verantwortlich für das Werk II des Röttinger Autozulieferers ITW Automotive mit
Sitz in Chicago, meinte, dass auch ihr weltweit agierender Betrieb die
Auswirkungen der Krise spüre, doch man müsse sich dem Markt anpassen und
neue Geschäftsfelder erschließen. Daher hoffe sie, einen Stellenabbau
weitgehend verhindern zu können. Von der Politik fordert die Schwäbin
Flexibilität, eine bessere Schul- und Fachausbildung. Vor allem "Made in
Germany" müsse bei allen wieder besser in die Köpfe kommen. Dr. Anja
Weißgerber, Mitglied des Europäischen Parlaments, erklärte, dass neben einem
gemeinsamen europäischen Konjunkturpaket auch jedes einzelne Land Anreize
schaffen müsse. Einen Europäischen Mindestlohn lehnte sie kategorisch mit den
Worten "An welchem Land soll dieser angelegt werden?" ab. Zum Thema
"Bürokratieabbau" lobte sie ihren Parteifreund Edmund Stoiber, da dessen
Gruppe bereits Vorschläge mit einer Kostenreduzierung von sieben Milliarden
eingebracht habe. Dieser Diskussionsteil sorgte für den umfangreichsten
Gesprächsstoff. Dabei wurde auf die ständig wechselnden Formulare
hingewiesen. Landrat Eberhard Nuß wies darauf hin, dass allein der Landkreis
Würzburg mit einem 33 Millionen umfassenden Investitionspaket bei den
Schulen in Ochsenfurt und Höchberg zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitrage.
Über eine Senkung der Kreisumlage entscheide der Landtag. Mit den Worten von
Elisabeth Finkbeiner "In der Wirtschaft wird weniger gesprochen und mehr
gehandelt" endete die Runde.