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Aufsteigen auch ohne Quote

Main Post, 18. November 2010

Es ist kein Gegenentwurf zur Frauenquote in der CSU, sondern eine Ergänzung: das Mentoring-Programm der Frauen-Union (FU) Unterfranken. Über neun Monate fungierten 14 CSUlerinnen als Mentorinnen für 15 Mentees – und gaben den Frauen mit weniger politischer Erfahrung Wissen, Tipps und Mut für eine eigene politische Karriere mit. „Bei Direktmandaten gibt es keine Quote, sondern einen parteiinternen Wettkampf – und dem muss man sich stellen“, erklärt Anja Weisgerber, Vorsitzende der FU.

Das Mentoring-Programm, dessen erste Runde in dieser Woche ausläuft, basiert auf zwei Säulen. Zum einen auf der Tandem-Beziehung zwischen Mentorin und Mentee, zum anderen auf dem Rahmenprogramm mit Besuchen in Berlin und München, Seminaren und Informationsveranstaltungen. Vorbild waren laut Initiatorin Anja Weisgerber ähnliche Programme in Wirtschaftsunternehmen und in anderen Kreisverbänden der CSU.

Sie selbst hat derzeit zwei junge Frauen unter ihren Fittichen. Lisa Berninger, eine davon, ist Lehrerin in Schweinfurt. Politik ist für die 25-jährige Bürgermeistertochter aus dem Landkreis Miltenberg zwar nur ein Hobby, aber sie will sich kommunalpolitisch engagieren – und bekam als Weisgerbers Mentee hautnah mit, was Politikerdasein bedeutet.

Rosalinde Schraud zeigt, dass Mentees nicht immer jung und politisch unerfahren sein müssen: Die 47-Jährige ist schon seit acht Jahren stellvertretende Bürgermeisterin von Estenfeld und erhoffte sich von dem Programm mit Bezirksrätin Christine Bender als Mentorin vor allem einen „Blick hinter die Kulissen“.

Beide Mentees sind von dem Programm begeistert. Für Lisa Berninger war ein Höhepunkt, dass sie Weisgerber eine Woche lang bei ihrer Arbeit in Straßburg begleiten durfte. „Das war sehr prägend. Ich war noch nie so kaputt wie in dieser Woche!“, erzählt sie beeindruckt. Für Rosalinde Schraud zählen vor allem die Kontakte, die sie im Laufe der letzten Monate sammeln konnte.

Gerade die frauentypischen Fehler, die einer Karriere oftmals im Wege stehen, wollen die beiden in Zukunft vermeiden. „Man ackert, aber wenn es um einen Posten geht, stellt man sich wieder hinten an“, fasst Rosalinde Schraud das Problem zusammen. Jetzt versucht sie klarzustellen, wenn sie Anteil an einem Projekt hatte – „auf nette Art“. Als Frau müsse man nämlich aufpassen, nicht plötzlich „als Zicke dazustehen“. Lisa Berninger traute sich vor kurzem – nach einem schnellen, aufmunternden Telefonat mit Anja Weisgerber – selbst auf ein Diskussionspodium zur Bildungspolitik zu steigen, statt wie sonst nur Infos an jemand anderes weiterzugeben. „Man muss den Frauen Mut machen und einen Schubs geben!“, erklärt Weisgerber.

Aber nicht nur frauentypische Probleme, sondern auch Frauen-Themen sind beim Mentoring wichtig und sollen in Zukunft ein eigener Programmpunkt sein: Aussehen, Auftreten, Kleidung zum Beispiel. „Das sind Erfahrungen, die man gut weitergeben kann“, sagt Weisgerber.

Ganz ohne Männer läuft das Programm übrigens doch nicht – und soll es auch nicht. „Wir sagen ja nicht: Frauen an die Macht! Sondern: Wir brauchen beide Seiten“, stellt Anja Weisgerber klar. Männer durften zwar keine Mentoren sein, aber im Rahmenprogramm teilen viele von ihnen ihr Wissen in Seminaren mit.

Am morgigen Freitag feiern die Frauen im Würzburger Kloster Himmelspforten das Finale der ersten Runde des FU-Mentoring-Programms, unter anderem mit Christine Haderthauer. Anja Weisgerber freut sich auch schon auf neue Bewerbungen für die nächste Runde. Allerdings ist sie sich auch sicher: „Meine Mentees werden immer meine Mentees bleiben.“