Kitzinger Zeitung, 23. November 2010
Den Frauenanteil innerhalb der CSU steigern – so lautet das Ziel der Frauen-Union. Ein Mentoring-Programm sollte interessierte Nachwuchspolitikerinnen an die Materie heranführen. Die Beteiligten ziehen ein positives Resümee.
Am 08. März dieses Jahres lud die Frauen-Union (FU) Bezirksverband Unterfranken unter dem Vorsitz der Europaabgeordneten Anja Weisgerber zur ersten Veranstaltung des Mentoring-Programms. 13 Veranstaltungen, zahlreiche Seminare und neuen Monate später fand am Freitag die Abschlussveranstaltung im Kloster Himmelspforten in Würzburg statt.
Unter dem Motto „Frauen fördern, Frauen fordern, Frauen begleiten“ nahmen nach erfolgreicher Bewerbung insgesamt 19 Frauen unterschiedlichen Alters die Gelegenheit wahr, sich politisch zu bilden, zu engagieren und zukünftig politische Verantwortung in Führungspositionen zu übernehmen. Unterstützt und begleitet auf dem Weg in die Politik wurden die „Mentees“ von erfahrenen Politikerinnen, die sich als Mentorinnen zur Verfügung stellten, unter anderem von Barbara Stamm, Anja Weisgerber, Dorothee Bär und von der bayerischen Staatsministerin für Arbeit, Sozialordnung, Familie und Frauen Christine Haderthauer, Ehrengast der Veranstaltung.
16 Mentees, deren Mentorinnen sowie viele Interessierte Frauen konnte Weisgerber begrüßen. In Ihrer Abschlussrede betonte sie den erfolgreichen Verlauf des ersten Mentorings. Nur mit gezielten Programmen sei die Erhöhung des Frauenanteils in der Politik zu erreichen. Die Wirtschaft, so Weisgerber, verfolge diese Strategie schon länger, weil sie erkannt habe, dass sich die Eigenschaften der beiden Geschlechter hervorragend ergänzten. Im öffentlichen Dienst habe sich der Frauenanteil in Führungspositionen in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt. Aktuell läge er bei rund 30 Prozent. Davon könne die CSU nur träumen.
Der Frauenanteil in der CSU liegt nach Weisgerber bei 19 Prozent. So könne eine Partei ihrem Anspruch, Politik für alle Frauen und Männer in Bayern zu gestalten, nicht gerecht werden, kritisierte sie. Die Politik könne es sich einfach nicht mehr leisten, auf die Kompetenz von Frauen zu verzichten.
Karriereverliererinnen
Christine Haderthauer machte den Mentees noch einmal Mut, den eingeschlagenen Weg konsquent zu gehen. Frauen seien zwar Bildungsgewinnerinnen, aber gleichzeitig auch Karriereverliererinnen. Im Kampf um Macht und Geld seien sie immer noch auf der Verliererseite. Das müsse sich ändern, zuerst im Kopf der Frauen. Im Gegensatz zu Männern wollten sie Harmonie und Wertschätzung, Prahlerei fänden sie peinlich. Auch wenn sie persönlich die männlichen Strategien nicht uneingeschränkt unterstütze, könnten sich die Frauen doch einiges von den Männern abschauen, vor allem erkennen, wie sie ticken. Kompetenz dürfe nicht mehr ausschließlich männlich sein. Es ginge nicht nur um ein paar einsame Heldinnen. „Nur wenn wir valide werden, werden wir auch breit aufgestellt.“
Ganz ohne Männer ging es an diesem Abend aber auch nicht. Eberhard Sinner, CSU-Bezirksvorsitzender, begrüßte das Frauenförderprogramm in seiner Ansprache. „Wenn alle Beschlüsse umgesetzt werden, sehen wir rosaroten Zeiten entgegen.“ Er habe sich als Mentor angeboten, sei aber nicht genommen worden. „Ich fühle mich diskriminiert“, meinte Sinner, was großes Gelächter im Saal hervorrief.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Mentees aus Unterfranken. Zwei junge Frauen kamen aus dem Kreisverband Kitzingen. Die 24-jährige Eva Barthelme, Kreisrätin und studierte Konstrukteurin, erlebte das Mentoring als interessant und äußerst hilfreich für ihre weitere politische Laufbahn. Bei ihrer Mentorin, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, hatte sie Gelegenheit, hinter die Machtkulissen zu schauen und viele hilfreiche Tipps für den politischen Alltag mitzunehmen. Nicht verwunderlich, dass ihr politisches Ziel nun der Landtag ist. „Meine Erwartungen sind mehr als erfüllt worden“, sagte sie.
Allerdings räumte Barthelme ein, dass es noch viel Arbeit in Bezug auf die verbesserte Stellung der Frau innerhalb der CSU gebe. Von der Frauenquote ist sie nur teilweise überzeugt. „Zum Wachrütteln ist sie ganz gut, aber andererseits wird es für die Frauen schwieriger, weil sie noch besser sein müssen.“
Die 26-jährige Katrin Blendel ist ebenfalls politisch aktiv. Als Stadträtin in Volkach hat sie schon Erfahrung gesammelt. In der kommunalpolitischen Arbeit will sie auch weiterhin tätig sein. „Da sieht man gleich was rauskommt.“ Gute Anregungen habe sie mitgenommen, insbesondere, wie sie den Ortsverband voranbringen könne. Von der Frauenquote ist sie ebenfalls nicht ganz überzeugt. Für die Partei sei sie ein nötiger Anschub, für die Frauen möglicherweise schwierig zu händeln.