www.morgenweb.de und MainPost, 07. November 2012
Die deutschen Krankenhäuser können erst einmal aufatmen: Auch künftig dürfen junge Männer und Frauen ohne zwölfjährige Schulzeit in der Krankenpflege arbeiten. Die Gesundheitspolitiker des Europäischen Parlamentes wiesen gestern eine Forderung der Kommission zurück, die die allgemeine Hochschulreife zur Bedingung für den Dienst am Krankenbett machen wollte.
Kritik aus Deutschland
"Realschüler sind weiter geeignet, Krankenschwestern oder -pfleger zu werden", sagte die CSU-Europa-Abgeordnete und Berichterstatterin Anja Weisgerber. Ihr CDU-Kollege Peter Liese, vor seiner politischen Laufbahn selbst über zehn Jahre Arzt in einem Klinikum, meinte: "Der Mensch fängt nicht erst mit dem Abitur an. Als Arzt habe ich mit vielen Krankenschwestern zusammengearbeitet. Die gute Ausbildung und oft lange Berufserfahrung sind in vielen Situationen mehr wert als ein Abitur oder mein Medizinstudium."
In 24 der 27 Mitgliedstaaten ist heute eine zwölfjährige Schulzeit Voraussetzung für eine Tätigkeit in der Krankenpflege. Nur Deutschland, Österreich und Luxemburg geben sich mit weniger zufrieden. "Die duale deutsche Ausbildung ist aber mindestens ebenso viel wert wie die universitäre Laufbahn in anderen Staaten", betonte Weisgerber, die eine grundlegende Reform als "unsinnig und unnötig" ansieht.
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Der Kompromiss sieht vor, dass nur diejenigen in der Pflege tätig werden dürfen, die mindestens 16 Jahre alt sind, eine zehnjährige Schullaufbahn absolviert haben und eine fachspezifische Ausbildung vorweisen können. Es bleibt den Mitgliedstaaten freigestellt, auch eine längere Schulzeit zu fordern.
Die Europäische Union will mit der Angleichung der Berufsqualifikationen erreichen, dass den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Tätigkeit im benachbarten EU-Ausland leichter gemacht wird. Dazu soll ein Berufsbildungsausweis eingeführt werden, der sämtliche erworbenen Diplome und Abschlüsse zusammenstellt und überall anerkannt ist. Die Bundesregierung hatte befürchtet, dass die Forderung nach einem Abitur für Krankenschwestern letztlich als Hebel missbraucht werden könnte, um die duale Ausbildung auch in anderen Bereichen zu torpedieren.
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