primaSonntag, 2. Mai 2010
Anja Weisgerber aus Schwebheim bei Schweinfurt hat einen vielleicht typischen Parlamentarier-Tag: Besprochen wird viel auch beim gemeinsamen Essen, auf dem Gang, in der Lobby. Beim Frühstück geht’s um Verbraucherrichtlinien, beim Mittagessen um andere Änderungsanträge. Ein paar Stunden erhielten vier Gymnasiastinnen Einblick in die Arbeit der unterfränkischen Europaabgeordneten, beim „Girls‘ Day“. Sie durften sogar beim Gespräch mit einem Vertreter von Toyota anwesend sein, bei dem es um die Begrenzung des CO²-Ausstoßes für kleine Nutzfahrzeuge, also Vans, ging. Klar, dass „Herr Toyota“ die Wünsche seiner Automobilfirma der Parlamentarierin zuträgt. Anja Weisgerber hört sich aber nicht nur diese an, sie spricht auch mit Umweltverbänden. Und mit der EU-Kommissarin Connie Hedegaard. Die taffe Dänin ist nicht pingelig. Sie will Energiekonsum besteuern und so Verbraucher und Unternehmen zu mehr Effizienz zwingen. Sie suchte den Kontakt zur unterfränkischen Europaabgeordneten und hörte sich Weisgerbers Position zu CO²-Ausstoß-Standards für Vans an, die dann auch in die Gesetzesvorlage irgendwann mit einfließen wird. „Man kann hier viel bewegen“, Anja Weisgerber lässt keinen Zweifel daran, dass dies ihr „absoluter Traumjob ist.“ Und bevor sie sich mit den Shadows zum Bericht über die Messgeräte trifft, gibt sie in ihrer Funktion als sportpolitische Sprecherin der CSU-Gruppe einem Journalisten des Deutschlandfunks noch ein Interview. Er recherchiert zum Thema Ein- und Verkauf von Fußballspielern aus Entwicklungsländern und inwieweit die EU regulierend auf die FIFA eingreifen kann. Unterstützt wird sie von vier Assistenten, ein bis zwei immer dabei, einer in Schwebheim und zwei in Brüssel, darunter ein Rechtsanwalt, mit dem sie sich häufig abspricht. „Ich hätte nicht gedacht, wie vielfältig die Arbeit hier ist“, resümieren am Ende des „Girls‘ Days“ die vier Mädchen des Olympia-Morata-Gymnasiums in Schweinfurt – und haben dabei noch nicht einmal gesehen, dass Anja Weisgerbers Tag noch weiter geht und länger dauert. Eine Besuchergruppe will noch empfangen werden und dann geht sie auch noch mal ins Plenum. Um 22 Uhr ist da oft noch lange nicht Schluss.