Saale Zeitung, 12. Mai 2009
Groß angelegter Europatag sollte Werbung werden für die Teilnahme an der Europa-Wahl
Hammelburg. Im Beisein zahlreicher prominenter Gäste – darunter Bezirkstagspräsidentin Erwin Dotzel und die unterfränkischen Bewerber für die Europa-Wahl – hielt der Bezirksverband Unterfranken der Europa-Union den Europatag 2009 im Rathausremter. Mit Blick auf die Wahlen am 7. Juni war es allen Rednern beim Festakt ein Anliegen, Europa als politische und wirtschaftliche Einheit darzustellen, die eine wichtige, globale Rolle spielt und Vertrauen verdiene.
EU-Bezirksvorsitzender Hans-Dieter Scherpf unterstrich bereits bei der Begrüßung die Bedeutsamkeit der Wahl und hoffte – trotz des ungünstigen Wahltermins in den Pfingstferien – auf eine gute Beteiligung. Dafür hat die Europa-Union eigens einen Wettbewerb unter den Gemeinden ausgeschrieben, die diejenigen Kommunen belohnt, die die höchste Wahlbeteiligung verzeichnen.
Bürgermeister Ernst Stross wähnte sich stolz auf das gemeinsame Europa, das über Jahrzehnte hinweg und in intensiven Bemühungen entstanden sei. „Dieses Europa ist weiter entwicklungsfähig“, war der Hausherr überzeugt, der dem EU-Bezirks- und Kreisverband für die Ausrichtung der Feierlichkeiten in Hammelburg dankte.
Vielfalt der Regionen
Bezirkstagspräsident Dotzel betonte, Europa habe es weit gebracht: Die Grenzen sind weitgehende gefallen, der Kontinent hat sich ausgesöhnt – auch mit den Ländern, die einmal hinter dem „Eisernen Vorhang“ lagen. „Es sei ein kleines Wunder“, schwärmte Dotzel von der Verwirklichung der Idee, „die für unsere Eltern noch Illusion war.“
In der derzeitigen Wirtschaftskrise sei es das gemeinsame Handeln der Regierungschefs in Europa, das schlimmeres verhindert habe. Der Kontinent, reich an Geschichte und Kultur, sei auch dem Bezirk Unterfranken ein großes Anliegen, versicherte Dotzel mit Blick auf die Partnerschaften des Bezirks mit beispielsweise dem Departement Calvados in Frankreich. Doch sicher, unterstrich der Redner, dass er die Vielfalt der Regionen gewahrt wissen möchte.
Für eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, für den Umweltschutz, für den Einsatz erneuerbarer Energien und viele weitere Fragen brauche Europa kompetente und vorausschauende Politiker, stellte Dotzel fest. „Wir sind nicht nur der alte Kontinent, sondern ständig frisch und neu und voller sprühender Ideen“, betonte der Bezirkstagspräsident. Bayern sei ein Kernstück Europas und sollte deshalb intensiv im europäischen Parlament vertreten sein, schloss er.
Europa für uns
Stellvertretender Landrat Emil Müller lenkte in seinem Kurzreferat zu europäischen Förderprojekten im Landkreis Bad Kissingen den Blick auf das örtliche Geschehen. „Europa tut auch Gutes für unsere Bevölkerung“, wie Müller anhand verschiedener Förderprojekte wie zum Beispiel die Trimburg, der Burgenverband, das Generationenhauses Bad Kissingen, das Saalemusicum oder die Energieagentur Rhön nach.
Auch für das laufende Jahr sind elf Projekte angemeldet, die teilweise Synergieeffekte fördern und gemeinsam mit anderen Landkreisen realisiert werden. „Wir sollten die allgemeine Lethargie nicht teilen und nicht müde werden, den Motor Europa am Laufen zu halten“, appellierte Müller – denn „Europa wird weitergebaut.“
Kandidaten aus Unterfranken
Vor dem Schlusswort und dem Dank des stellvertretenden Landesvorsitzenden Edgar Hirt, stellten sich bei dem von der Volksmusikgruppe der Stadtkapelle musikalisch umrahmten Festakt die Kandidaten der verschiedenen Parteien mit ihren Kurzprogrammen für die Europawahl vor.
Dies waren die Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber (CSU), die Schweinfurter Stadträtin Kerstin Westphal (SPD), Landtagsabgeordnete Simone Tolle für das Bündnis 90/Die Grünen, Politikwissenschaftler Dr. Thomas Cieslik für die FDP und Landtagsabgeordneter Günter Felbinger, stellvertretend für den verhinderten Armin Grein von den Freien Wählern.
Der offizielle Teil des Festaktes schloss mit dem Eintrag der Ehrengäste in das goldene Buch der Stadt.