Fränkischer Tag
MdB Dorothee Mantel hatte zur Diskussion über „Frauen in der Politik“ eingeladen
Hassfurt: Politik ist nicht nur Männersache. Doch von den 33 000 Mitgliedern der Jungen Union ist gerade ein Vierteil weiblich. Woran das liegt und wie man sich als Frau in der Politik erfolgreich engagieren kann, das diskutierten junge Frauen aus Franken in Haßfurt. Eingeladen hatte die Ebelsbacher Bundestagsabgeordnete Dorothee Mantel (CSU), die als stellvertretende JU-Landesvorsitzende auch die Leitung der Projektgruppe „Junge Frauen“ übernommen hat. „Diese Gruppe ist kein feministischer Zirkel und möchte auch keine junge Frauen-Union sein“, betonte Dorothee Mantel, „unser Ziel ist es, junge Frauen zu ermutigen und zu fördern, sich mit Politik zu beschäftigen und in ihrem Orts- und Kreisverband aktiv zu werden.“
Wohlfühlfaktor
Als sie selbst mit 14 Jahren in die JU eingetreten sei, habe sie sich mit den herrschenden Männern zwar verstanden, aber es habe ein weiblicher Ansprechpartner gefehlt. „Und gerade bei Frauen spielt der Wohlfühlfaktor in der Gruppe eine große Rolle.“
Auf der unterfränkischen Bezirksebene habe es vor einigen Jahren mal einen 50-prozentigen Frauenanteil in den Führungspositionen gegeben. Derzeit gebe es in Unterfranken keine einzige weibliche Kreisvorsitzende und in Oberfranken gerade einmal zwei. Dass Frauen nicht nur bei der Jungen Union unterrepräsentiert sind, zeigte Dorothee Mantel mit einem Blick auf die deutsche Gesellschaft, in der es weibliche Vorbilder schwer hätten: Der Frauenanteil bei Professoren stagniert bei sechs Prozent, in den Chefetagen liegt er bei zehn Prozent, im Bayerischen Landtag bei 26,7 und im Bundestag immerhin bei 32,5 Prozent.
In einer Gruppe
Bereits 1980 hatten sich deshalb die weiblichen Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in einer Gruppe zusammengeschlossen und politische Themen mit Engagement, Kompetenz, Erfahrung aus einem femininen Blickwinkel aufgegriffen, bearbeitet und vertreten. „Wir 57 Frauen treffen uns einmal die Woche, um uns abzustimmen. Die Gleichstellungspolitik ist aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch die Männer betrifft.“
Das betonte auch Anja Weisgerber, die als Abgeordnete die Region im Europäischen Parlament vertritt. Mehr als die Hälfte der europäischen Bevölkerung sei weiblich. „Doch noch immer stellt für Frauen die Beteiligung am Arbeitsmarkt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Herausforderung dar.“
Große Unterschiede. Innerhalb der EU gebe es dabei große Unterschiede: Im Schnitt sind 55 Prozent der erwerbsfähigen Frauen berufstätig. Während in Schweden der Anteil bei 72 Prozent liegt, sind es auf Malta gerade 31, in Italien und Spanien 41 Prozent. „Auch Deutschland liegt mit 44,5 Prozent weit unter dem europäischen Durchschnitt.“ Ein Ortsverband, in dem die Zusammenarbeit zwischen den Frauen und Männern hingegen besonders gut funktioniert, ist die JU Haßfurt, deren Struktur die Beisitzerinnen im Vorstand, Eva Biertempfel und Anett Schneider, beschrieben. Rund 30 Prozent der Mitglieder sind seit der Neugründung im September 2002 weiblich. „Bei uns läuft es einfach gut, weil die Gruppe passt“, meinte Eva Biertempfel. Im Vorstand versuche man einen Mittelweg zwischen den Interessen der Männer und der Frauen und auch zwischen Politik und Geselligkeit zu finden. Das läuft inzwischen so gut, dass weibliche Mitglieder aus anderen Ortsverbänden zu den Treffen kommen. Dazu gehörten familienfreundliche Termine genauso wie weichere Themen, erklärte Anett Schneider, die inzwischen auch Beisitzerin im CSU-Ortsvorstand ist. „Ich möchte mich in die Gesellschaft einbringen und ein Mitspracherecht haben.“ In der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass die jungen Frauen nicht durch eine Quotenregelung in irgendwelche Führungspositionen gewählt werden möchten. „Das bringt uns doch nicht weiter“, meinte eine Stimme. Bewusst kehr die Mehrzahl nicht die weiblichen Reize nach außen, um nicht auf den Rockbonus reduziert zu werden. „Ich selbst habe immer versucht, durch Inhalte und nicht durch einen besonders kurzen Rock zu überzeugen“, betonte Anja Weisgerber.
Dass trotz neuer Ansätze Frauen in den Führungspositionen unterrepräsentiert sind, liegt nach Meinung von Eva Biertempfel auch am mangelnden Selbstbewusstsein. „Männer trauen sich im Allgemeinen einfach mehr zu. Außerdem machen sich Frauen mehr Gedanken, wenn sie mal nicht gewählt werden.“
Verbissener?
Während Männer nach einer Niederlage oder einem Streit sich bei einem Bier zusammensetzen, ist das bei Frauen oft nicht vorstellbar. „Vielleicht auch, weil wir verbissener um die wenigen Posten kämpfen“, meinte Anja Weisgerber, „doch wir sollten nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten.“
Das versucht seit Jahren schon Ute Ulbrich als Kreisvorsitzende der Frauen Union (FU), die im Gegensatz zu einigen ihrer jungen Geschlechtsgenossinnen diesen Spross der Christsozialen nicht für überflüssig hält. „Wenn wir uns nicht für die Frauen engagieren, wer tut es denn dann?“ Sie selbst würde auch gut ohne die FU in der Politik leben können, doch noch immer herrsche bei vielen Frauen ein großes Unbehagen, wenn es um die Politik gehe. „Das versuchen wir Ihnen zu nehmen und darüber hinaus alte Denkmuster auszuräumen, damit die Frauen und die Männer zukünftig gleichberechtigt an einem Strang ziehen.“ Daran knüpfte auch Dorothee Mantel an, als sie sagte, sie habe mit diesem Gespräch keine junge Frauen-Union ins Leben rufen, sondern vielmehr Probleme sammeln und neue Ansätze diskutieren wollen. Deshalb werde es vorerst auch keine Fortsetzungsveranstaltung geben. „Es geht darum, die Gesellschaft und die Politik frauenfreundlicher zu gestalten und unsere Meinungen und Erfahrungen zu integrieren. Das funktioniert nur in einem Konsens mit Männern.“